Mitten durch Berlin Wassereinbruch – auf der Werft 2010

Am Wannsee 2009

Am Mittwoch, 8.April 2009, geht es endlich wieder zum Schiff. Nach einem langen, kalten und glücklicherweise auch schneereichen Winter wollen wir nun über Ostern von unserem Winterliegeplatz in Stralau zum Wannsee fahren. In diesem Winter waren wir nur kurz an Weihnachten und an Markus Geburtstag am 31.1. hier in Berlin und auf dem Boot. Gewärmt durch den Bullerofen und den ständig laufenden Elektroradiator war das Boot gut bewohnbar und eine sichere Bleibe.

 Jetzt aber soll Ruyghenhil wieder ein Segelschiff werden. Die Planen sind schnell entfernt, das Boot von außen mit einem Wasserstrahler des netten Hafenbesitzers, Herrn Geppert, gereinigt und die Kajüte wird mit einem Anstrich des Holzbodens verschönert.

 Auch die Holzgrätings im Cockpit benötigen einige Schleifarbeiten und zwei Lagen Lacköl, um dann im Sonnenlicht des warmen Frühlings zu glänzen.

 Als Christa und Stefan am Karfreitag Nachmittag ankommen, ist das Schiff wieder sauber und fahrbereit. Ein gemütlicher Samstag, ein toller Familien-Bruch am Ostersonntag bei Christian und Katjuscha und schon ist der Abfahrtstag zum Wannsee gekommen.

 

Mit fast der ganzen Familie, mit Linus und Oskar, Chriggi und Katjuscha, Julia und Philipp, den Freunden Oliver, Elif und Eda und dem Überraschungsbesuch Jan, Freund der Kinder und Lehrerkollege von Wolfgang, geht es am Ostermontag quer durch Berlin. Trotz schlechter Wettervorhersage passieren wir bei strahlendem Sonnenschein die Highlights der Stadt. Schnell kommen wir durch die Mühlendammschleuse, fahren am Bundestag, am Palais Schaumburg vorbei und durch die Schleuse Charlottenburg. Gekonnt steuert Julia dann in die Havel und plötzlich ist vor uns der in der Sonne blinkende Wannsee. Neben, bei dem herrschenden Nordostwind, flott segelnden Booten, brummen wir zu unserem Sommerliegeplatz beim Yachthafen Nixe in Wannsee.

Ein wunderschöner Tag und alle freuen sich, dass alles geklappt hat und an Bord nach dem langen Winter alles in Ordnung ist. Nachdem uns die Gäste per S-Bahn verlassen haben, verleben wir noch einen ruhigen Abend im neuen Domizil.

Am nächsten Morgen beginnen gleich die Arbeiten mit den Masten und der Takelage. Nach drei Jahren wird Ruyghenhil endlich wieder ein richtiges Segelschiff. Die Masten werden mit Unterstützung der Elektrowinde schnell gestellt. Aber alle Restarbeiten, wie Klüverbaum einrichten, alle Fallen erneuern, die Wanten labsalen und die Blöcke und Schäkel einölen und fetten, benötigen doch einige Stunden.

So sind wir am Mittwoch, als wir Linus und Oskar zu Hause abholen, noch nicht ganz fertig. Schnell sind wir mit der Regionalbahn wieder an Bord und Linus hilft Wolfgang gerne beim Einzug der neuen Leinen. Aber auch mit dem Beiboot fahren und mit dem Köcher „Fische“ (Weinkorken) fangen, die Oskar mit Begeisterung ins Wasser feuert, ist ein Riesenspaß.

Der Tag vergeht schnell und als Christian am Abend von der Arbeit kommt, ist das Boot segelklar und ebenfalls das Beiboot bereit zu Abenteuern

 Am Donnerstag frischt der Wind doch erstaunlich stark auf NNO 5-6 auf und unser Liegeplatz wird sehr unruhig. Als am Mittag Katjuscha und ihre Freundin Doro mit deren Tochter Elisabeth kommen, hält uns dennoch nichts mehr von einem ersten Segelversuch auf dem größten Berliner See ab.   

Und wie man sieht: Nicht schlecht!

 

So steht dem neuerlichen Festessen in Klatow, gerade gegenüber und mit einem sicheren öffentlichen Anleger versehen, nichts mehr im Wege. Nach einem schönen Essen und den zehn Schritten zum Boot, bewundern wir noch die glitzernden Sterne am wolkenlosen Himmel und fallen alle müde ins Bett.

 

Früh am nächsten Morgen fährt Wolfgang quer über den See nach Wannsee zurück, denn Katjuscha muss wieder arbeiten. Am Liegeplatz ist es durch den wieder aufkommenden Wind recht unruhig, aber die Kinder haben mit Christian beim Fischen, Beiboot fahren, spielen in der Kajüte und spazieren gehen, doch viel Spaß. Als dann auch noch ein gekentertes Boot gerettet werden muss, wird es am Nachmittag noch einmal fast dramatisch.  Aber alles klappt, die Jolle segelt wieder und niemand ist verletzt und so geht auch dieser Tag ganz gemütlich mit einem Besuch per Auto in Potsdam zu Ende.

Am Samstag, 18.4.2009, ist unser erster richtiger Berlin-Bootsurlaub zu Ende und mit der schnellen Verbindung per Regionalexpress und Intercity sind wir in gut fünfeinhalb Stunden zurück in Hofheim.

 

An Himmelfahrt, 21.5. bis 24.5.2009, wollen wir wieder aufs Boot und die Segelsaison richtig beginnen. Und tatsächlich ist am Himmelfahrtstag, nachdem wir in der Nacht angekommen sind, am Morgen auch ganz schönes Wetter und richtiger Wind. Aber schon um 11 Uhr zieht sich der Himmel zu und dunkle Gewitterwolken ziehen auf. Sie bringen immer mal wieder Schauer mit starkem Regen. Erst gegen Abend, als wir alle zusammen, Christa, Christian, Katjuscha, Linus, Stefan, Oskar und Wolfgang beim nahen „Chinesen“ in der Königstraße essen gehen, ist es soweit trocken, dass wir sogar draußen dinieren können.

Am nächsten Tag ist endlich Segelzeit. Zwar nur mit ein oder zwei Windstärken, aber immerhin, segeln und treiben wir zur „Lieper Bucht“, einer herrlichen Ankerstelle  mit  Sandstränden. Nach ausgiebigen Erkundungen und ersten Schwimmversuchen von Chriggi und Katjuscha fahren wir am Abend wieder in unseren Yachthafen Nixe, denn heute wollen Christian und Katjuscha mal ausgehen und die Kinder bleiben bei Opa und Oma und Onkel Stefan an Bord.

Nach einer Ausfahrt mit dem Elektromotor mit Linus und Oskar und einigen Spielen an Bord, schlafen die Kinder tief und fest die ganze Nacht.

Als sich am Samstag das schöne Wetter durchsetzt, gibt’s kein Halten mehr und wir segeln wieder zu unserer neuen Badebucht. Dort kommen am Nachmittag auch Christian und Katjuscha mit dem Bus hin und wir bleiben vor Anker bis Sonntagnachmittag. Erinnerungen an Holland kommen auf und wir sind richtig glücklich und zufrieden.

Im Sommer 2009 werden wir noch oft diese Badebucht besuchen. Aber auch andere Strände und Ankerplätze lernen wir kennen und schätzen: das „Fenster“, den Ankerplatz vor der Sacrower Kirche, den Anleger von Kladow mit den Seelokalen, der nette Yachtclub Stößensee und viele mehr.

Wir verleben einen wunderschönen und friedlichen Sommerurlaub auf dem Wannsee, mal mit den Kindern und Enkelkindern Linus und Oskar, mal alleine, mal mit Freunden und Geschwistern. Alle unsere Ausflüge sind völlig entspannt, auch wenn manchmal ein Unwetter niedergeht. Denn bald darauf scheint wieder die Sonne und so kommt manche kleine Segeltour zustande.

Zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft wird Ruyghenhil zum Pressebüro für Markus, der von unserem Gastliegeplatz am Stößensee mit dem Fahrrad nur zehn Minuten zu seinem Arbeitsplatz Olympiastadion hat. Eine wunderbar internationale und sportliche Atmosphäre herrscht nicht nur im Stadion. Auch im Hafen des Yachtclubs Stößensee werden wir so unglaublich nett empfangen und betreut, dass wir  anfangs unseren Augen und Ohren nicht trauen. Aber es ist wahr. Brötchenservice, Fahrdienst zum Baumarkt, Kaffeeeinladungen, Gespräche über Plattboden und auch mal mit Markus und den Mitgliedern über Sport. Wir haben ein echtes Kleinod gefunden.

Am 18.August feiern wir mit Linus und seinen Freundinnen und Freunden am Strand seinen 5.Geburtstag. Am Abend, als die Eltern kommen, verschiffen wir zum Abendessen auf Ruyghenhil. Als wir zum Ende hin in den Abend und in die Nacht zum Hafen fahren, steht Linus ganz glücklich am Ruder. 

Andy, Christian, Katjuscha und sechs Freunde feiern anschließend an Bord drei Tage lang ihre „alternative Abi-10-Jahres-Revival-Feier“.

Den Abschluss am Wannsee bildet dieses Jahr ein LehrerInnenausflug Ende September mit neunzehn Teilnehmern. Einige übernachten auf dem Schiff, die anderen in Ferienwohnungen in Wannsee oder bei Verwandten. Am Samstagabend liegen wir mit Wein und Gesang auf unserem Liegeplatz im Yachthafen Nixe und schauen das grandiose Feuerwerk von „Wannsee in Flammen“. 

Da wir  im nächsten Jahr noch einmal auf dem Wannsee segeln und urlauben wollen, bringen wir Ruyghenhil in den Herbstferien wieder zum Hafen Stralau. Diesmal verbinden wir die Fahrt aber mit einer Geburtstagsfeier. Denn Christian wird am 15.10.2010 dreißig Jahre alt. So liegen wir am  Abend des Fünfzehnten am „24-Stunden-Parkplatz“ des Museumshafen und feiern in einem schönen Szenenlokal in Kreuzberg. Und Christian bekommt sein wunderschönes, mit großen Schwierigkeiten und viel Aufwand beschafftes Familiengeschenk: eine wunderschöne Mahagoni-12-Voet-Jolle aus dem Jahre 1938. Jetzt hat die Familie wirklich ein kleines Schmuckstück für die Berliner Gewässer.

 

In den nächsten Tagen machen wir das Schiff winterfest, bestätigen noch schnell für Ende März 2010 im

Trockendock in Rummelsburg einen Termin und lassen den Winter auf uns zukommen.

 

Am 28.11. übernachten Stefan und Wolfgang zusammen mit dem Lehrerkollegen und Freund Reinhard George-Bergen nach einem Fußballbesuch im Olympiastadion an Bord. Markus war der Sportreporter und die Eintracht aus Frankfurt siegte gegen die Hertha 3:1. Das Schönste an diesem Tag aber war sicherlich das tolle Abendessen mit Christian, Katjuscha, Linus und Oskar beim Portugiesen in der Hufelandstraße.

 

 

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