Zwischen Seine und Loing Krokodile auf der Yonne

Die Schleusen der Yonne

Wir müssen uns von Sybille, Jule und Ida verabschieden, die wieder nach Hause zurück müssen. Der Bus zum Bahnhof erscheint auch nach längerem Warten nicht, sodass die drei mit allem Gepäck zum Bahnhof laufen müssen. Auch in Frankreich scheint es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht so weit her zu sein.

Bild 2.png Wir verlassen Montereau und die Seine und fahren weiter auf der Yonne. In regelmäßigen Abständen kommen jetzt viele kleine Schleusen mit schrägen Wänden. Es ist schwer festzumachen und man muss mit dem Bootshaken Abstand halten, damit man bei der Schleusung nicht auf der Mauer sitzt. Zum Glück gibt es keine Berufsschiffe mehr und auch sonst kaum Verkehr. Auch die Schleusenwärter sind sehr freundlich und helfen, die Leinen über die Poller zu legen. Die Schleusenwärterhäuschen sind kleine Schmuckstücke, jedes sieht anders aus und lässt auf den individuellen Geschmack des Besitzers schließen.

Am Schleusenkanal Villeneuf gibt es zum ersten Mal Probleme. Die Schleuse ist zu und kein Schleusenwärter in Sicht. Holländer erklären uns, dass die Schleusenmeister eine Mittagspause bis 13.30 Uhr machen. Aber weder da noch um 14 Uhr tut sich etwas. Die Nachbarin wird unruhig. Sie erzählt, dass sie schon öfter Ärger mit dem eclusier hatten – wenn er keine Lust hat oder zu viel getrunken, lässt er die Schleuse einfach zu. Da es keinen Funkkontakt gibt, fährt sie mit unserem Fahrrad zur nächsten Schleuse, um den Schleusenwärter zu holen. Sie kommt wütend zurück und berichtet, dass der Schleusenwärter gemütlich vor seinem Häuschen sitzt und mit toute la famille ausgiebig tafelt. Er wäre noch nicht fertig und wir sollten warten. Dann kommt er aber doch und gibt uns außerdem seine Enkeltöchter zur Weiterfahrt bis zur nächsten Schleuse mit – zwei niedliche kleine Mädchen, Margot und Soleine. 1000 Fragen – „Ou est la toilette“ – „jài soif“ – so geht es die ganze Zeit – zu guter Letzt wirft Soleine noch ein volles Glas Orangina um – eine gute Gelegenheit, um mal wieder gründlich zu putzen.

An der Schleuse werden wir dann jubelnd von toute la famille begrüßt. Oma, Opa, Tante, Onkel und Eltern, die ihre beiden Mädchen wieder in Empfang nehmen und sich mit vielen „mercis“ und „Au revoirs“ von uns verabschieden. Nur die Oma guckt ziemlich sauer ob der verrückten Ideen ihres Mannes. Weiter aufwärts ist ein großer Flohmarkt entlang des Ufers – alles winkt und ruft begeistert hinter uns her – unser Schiff scheint den Leuten zu gefallen.

In dieser Gegend ist ganz schön was los. Wir sind immer wieder überrascht, wie freundlich die Franzosen zu uns Deutschen sind, aufgeschlossen und hilfsbereit. Wir düsen mit fast Vollgas und 7 Knoten hinter einer Peniche her, damit wir die Schleusen gemeinsam passieren können.

Abends kommen wir in Sens an. Wieder ein schöner Liegeplatz unter einer Brücke gegenüber einer Kathedrale a la Notre Dame. Nach der langen Fahrt wollen wir mal wieder essen gehen, aber auch dieser Ort, wie schon Montereau, scheint wie ausgestorben zu sein. Sind tatsächlich alle Franzosen in Urlaub? Es gibt viele Geschäfte und Restaurants, aber alle zu und kein Mensch auf der Straße. Wir wollen schon aufgeben, biegen um die Ecke und stehen vor einer hell erleuchteten Kathedrale, wieder a la Notre Dame. Davor ein großer Platz mit Springbrunnen und mehreren gut besetzten Lokalen, sogar eine Pizzeria gibt es, wo wir den Abend gemütlich ausklingen lassen. Zurück wieder zum Boot durch menschenleere Gassen , aber das alles war kein Traum – wir sind ziemlich satt.

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