Über die Westerschelde Zur französischen Grenze

An der Leie

Am nächsten Tag geht’s noch einmal mit den Fahrrädern in die Stadt. Wir hoppeln über Kopfsteinpflaster, viele Pferdekutschen sind unterwegs, teilweise fühlt man sich ins letzte Jahrhundert zurückversetzt. Da wir noch viele nette Cafes entdecken, lassen wir uns prompt zu einer kleinen Pause mit eiskaltem Cola und „Leffe blanc“ verführen, statt an die Weiterfahrt zu denken.
Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und unser größtes Problem wird doch tatsächlich, Schatten auf dem Boot zu finden. Alle vier Regenschirme an Bord werden zu Sonnenschirmen umfunktioniert. Auch dem Wärter an der Muiderspoorbrug ist es offensichtlich zu heiß, um die Brücke wie angekündigt um 13.45 Uhr zu öffnen. Wir wecken ihn bei seiner Fiesta und er verspricht hoch und heilig, die Brücke in einer Stunde zu öffnen, was sich auch tatsächlich als viel Arbeit erweist, weil alles von Hand gemacht werden muss. Weiter geht’s in Richtung Kortrijk, wenn auch erst am Nachmittag. Sehr weit kommen wir aber nicht, denn in der Schleuse an der Ringvaart von Gent muss erst noch eine belgische Vaarvignette für 50 € ausgestellt und gekauft werden und Personalausweise und Führerschein vorgezeigt werden, bevor wir wieder weiterfahren können.
Unterwegs segelt der erste Regensonnenschirm ins Wasser, keine Schönheit, aber zu kostbar, um ihn treiben zu lassen – also wieder zurück, um ihn mit einem Mann über Bord Manöver wieder einzufangen.
Weiter geht’s auf einem kleinen Flüsschen, der Leie, die sich durch eine idyllische Landschaft schlängelt. Hohe Bäume und Büsche am Ufer, die ins Wasser überhängen, hübsche Villen, Cafe´s und Restaurants mit Anlegern, die zum Verweilen einladen – ein bisschen erinnert alles an die Vecht. Wir streben den Jachthafen Deinze an, aber dazwischen liegen noch endlose Schleifen und Kurven des Flüsschens. Viel Strecke legen wir da nicht zurück. Der Hafen erweist sich dann auch noch als Flop. Nur Schiffe bis 10m können hier liegen. Unfreundlich werden wir von der Hafenmeisterin auf die Betonmauer vor der Kirche zurück verwiesen. Ärgerlich, dass die Karten so ungenau und die Anleger im Almanach nicht genauer beschrieben sind. Auch der Supermarkt direkt in der Nähe des Anlegers erweist sich am nächsten Morgen als Pleite – montags morgens geschlossen. Ansonsten begleiten uns die Rummelmusik vom Dorfplatz und viele hundert Schnaken, gegen die wir einen erfolglosen Kampf führen, in die Nacht.

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