Die Kanäle „Nivernais“, „lateral de Loire“ und „du Centre“ Kurzbesuch im Winter

 

So ist auch am Dienstag Morgen 10.8.2004 an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Praktisch, denn dann kann erst einmal die Internetverbindung unseres Laptops repariert werden und in den Kojen der nächste Krimi angefangen wer-den. Da die Wettervorhersage mit 47% Regen-wahrscheinlichkeit auch über Tag tatsächlich eintritt, bleiben wir liegen und entspannen uns, durch kurzen Besuch im schönen Chalon-sur-Saone aufgelockert. 
Am Morgen des Mittwoch 11.8. herrscht dichter Nebel, aber die unermüdlichen Angler sind in ihren Ruderbooten auf dem Fluss und versuchen immer wieder die kleinen Fische mit den goldenen Schwänzen zu fangen. Als um 10 Uhr die Sonne durchbricht, fahren wir in den Jachthafen zum Tanken und sind um 11 Uhr startbereit. Es macht wirklich Spaß auf einem großen Fluss zu fahren; Ruyghenhil brummt fröhlich und stark und macht bei 1600 U/min zwichen 11 und 12 km/h. So sind wir auch schon um 18.30 Uhr in Macon, obwohl wir in Tournus eine Pause mit Eis und Abteibesichtigung und danach eine Badepause in der Saone eingelegt haben. Macon ist sehr lebendig und eine Pizzeria ist auch schnell gefunden, so dass die Küche im Schiff diemal geschlossen bleibt. Nachdem die letzten Nachrichten aus der Heimat per Internet und Laptop abgerufen sind, ist der erste Fahrtag nach den Kanälen zu Ende.

 

Schönes Wetter am Donnerstag. Nach dem Besuch der Boulangerie geht es kurz nach 9 Uhr wieder auf den Fluß. Schnell geht es voran, auch die Schleusentore der einzigen Schleuse stehen offen und so rauschen wir an den Städten des Beaujolais vorbei. Kurz vor zwölf sehen wir einen schönen Steg am Dörfchen Montmerle-sur–Saone, ideal zum Einkauf und zum Markt direkt am Kai. Doch von wegen: Schnell ziehen dicke schwarze Wolken heran und ein Gewitter mit stärksten Regenfällen und viel Wind setzt ein und hört nicht wieder auf. Erst um 16.30 Uhr können wir weiter und so machen wir am Steiger in Villefranche-sur-Saone schon nach vierzig Kilometern Schluß. 

Am Freitag 13.8. wollen wir nun wirklich nach Lyon kommen. Durch rechtzeitiges Ablegen, kurze Pause mit Marktbesuch in Neuville-sur-Saone und schneller Schleusung sind wir schon um 13 Uhr in Lyon. Dabei fahren wir immer wieder an schönen Restaurants vorbei, die festlich für ihre Besucher gedeckt haben, u.a. auch am Feinschmeckerlokal des großen Kochs Paul Bocuse. In Lyon können wir direkt bei der Altstadt anlegen. Die Stadt ist sehr hügelig und es stehen prächtige Bauten direkt an der Saone. Wir quälen uns bei großer Hitze zur Kathedrale den Berg hinauf und genießen den bekannt großartigen Blick auf Lyon und bis zu den Bergen der Alpen im Hintergrund. Lyon ist eine sehr lebendige Stadt, eine Großstadt eben, die aber auch den Touristen offensichtlich einiges zu bieten hat. Nach ausgiebiger Mittagspause legen wir ab und erreichen um 16 Uhr die Rhone. Doch gleich bei der ersten Schleuse gibt es eine Wartestunde und so erreichen wir trotz schneller Fahrt (drei bis vier Kilometer Schiebestrom) nur noch das Städtchen Givois, um am Abend im Fernsehen die Eröffnung der Olympischen Spiele mitzuerleben. 

Heute, Samstag 14.8., soll es mal richtig gutes Sommerwetter geben. Aber nach gutem Beginn am frühen Morgen begleiten uns kräftige Wolken nahezu die ganze Fahrt zu unserem Etappenziel Tournon.  Erst als am Nachmittag starker Wind aus Norden (Mistral?) aufkommt, werden alle Wolken weggeweht und strahlend blauer Himmel begleitet die Fahrt. Tournon ist eine wunderschöne alte Stadt direkt an Felsen mit den Gebirgszügen der Alpen im Hintergrund, mit vielen Eckchen und heute mit einem mitternächtlichen Markt der regionalen Erzeugnisse. Einfach Klasse. Die Rhone ist eine schöner Fluß, mit vielen Weinbergen und pittoresken Stadtpanoramen. So besuchten wir auch kurz Vienne, eine der größeren Städte an unserer Strecke, bevor wir die tiefen Schleuse des Flusses (bis 23 Meter Hubhöhe) bewältigen. 

An unserem Hochzeitstag, Sonntag 15.8., lassen wir uns etwas Zeit. Nach ausgiebigem Frühstück und kurzem Besuch des Boule-Wettbewerbs hier am Hafen, schauen wir uns noch einmal das bunte Treiben im Städtchen an. Hier ist richtige Urlaubsstimmung und schon, so wirkt es zumindest auf uns, südländischer Flair mit Kaffee und Pastis in der Bar, Espresso mit viel Gespräch im Cafè und einfach Fröhlichkeit. Fahrtechnisch ist die Rhone zwar ein großer Fluß mit Strömung, aber doch recht problemlos. Zwar ist auch heute wieder starker Nordwind, er behindert uns aber nicht und macht sicherlich nur den stromaufwärts fahrenden Schiffen einige Unannehmlichkeiten. In einigen Abschnitten sind Teilstücke kanalisiert um Stromschnellen zu umfahren und als Schleusenkanäle, andere Strecken wirken wie ein großer Stausee, so breit ist  dort der Fluß. Ausgerechnet , kurz vor unserem Ziel Viviers,  in einem besonders breiten Teil mit Inselchen und Felsen im Wasser, steht am Ufer bei Stromkilometer 148 ein riesiges Kernkraftwerk mit vier Kühltürmen. Viviers ist ein sehr, sehr altes Städtchen und erinnert etwas an St.Paul de Vence in der Provence.

 

So langsam müssen wir uns einen sicheren Liegeplatz suchen. Alle Leute, die sich auskennen und die Hochwasser der letzten Jahre erlebt haben, erklären, dass ein sicherer Platz an der mittleren und unteren Rhone nur in Valence oder bei Port 2 bei Stromkilometer 213,6 zu finden ist. Im letzten Jahr war die Rhone bis zu acht Meter über die Ufer und Dämme getreten und hat z.B. alle Steganlagen  und die Tankstelle in Avignon weggerissen, die erst jetzt ersetzt werden konnte. Nach telefonischer Klärung, dass wir in Port 2 (30 Flußkilometer oberhalb von Avignon) auch im Winter liegen könnten, legen wir nach einem Einkauf im mittelalterlichem Städtchen Viviers um fünfzehn Uhr am Montag ab. Zuerst begleiten uns noch schroffe Kreidefelsen, doch dann wird die Landschaft langweilig, da wir in langen Schleusenkanälen die gefährlichen ehemaligen Stromschnellen umfahren. Zum Glück läuft Ruyghenhil schnell und brav, so dass die weniger hübschen Passagen bald geschafft sind und wir bei starkem Süd- und damit Gegenwind offene Flußstrecken erreichen. Diese Teilstrecken sind wunderbar und unser Schiff stampft mit Spaß und spritzig durch die Wellen. Gegen zwanzig Uhr, mit telfonischer Anmeldung per Handy oder VHF-Kontakt bedingten schnellen Schleusendurchgängen, erreichen wir  den Hafen Port 2 bei Stromkilometer 213 im Nebenarm von L` Ardois. Die Gegend ist zwar nicht gerade anheimelnd und die Steganlagen wirken etwas zusammengeschustert, bei näherem Hinsehen erweist sich aber alles als sehr durchdacht aufgebaut und es liegen hier doch sehr teuere Boote. Außerdem überwintern hier einige Bootsleute auf ihren Schiffen und sie haben immer einen Blick für die anderen. Also können wir uns sicher fühlen und checken per Internet und Laptop (interessante Möglichkeiten tun sich damit auf) die Heimfahrtmöglichkeiten mit der Bahn. 
Da wir alles betreffs Dauerliegeplatz geklärt haben, beschließen wir, am Dienstag 17.8.2004 einen Ausflug per Boot nach Avignon zu starten, denn noch bleiben uns drei Tage Ferien auf dem Boot. Nach einer imposanten Felsenpassage kommen wir wieder am nächsten Kraftwerk vorbei. Aber schnell ist in einer großen Flußschleife auch wieder eine Burg und ein Chateau zu sehen, die Eindrücke wechseln ständig und sind recht vielfältig.

Gegen 12.30 Uhr erreicht uns per Handy die Nachricht, dass Christas Vater, unser lieber Opa,  gestorben ist. Wir sind tief betroffen und kehren sofort um und mit Höchstfahrt zurück nach Port 2. Leider können wir kein Leihauto bekommen, so dass wir das Schiff ordentlich fertig machen und erst gegen Abend mit dem TGV von  Avignon nach Paris und mit dem Nachtzug nach Hause fahren.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nach unserer überstürzten Abfahrt im Sommer, möchten wir in den Herbstferien ganz gemütlich die Provence kennen lernen. So fliegen wir billig, schnell und doch luxuriös mit dem Flugzeug von Ryanair nach Montpellier und mieten uns direkt am Flugplatz ein Auto. Und zehn Minuten später sind wir am Mittelmeerstrand bei La Grand Motte und genießen den warmen Herbst mit Strandurlaub.  Nach Besuch der Städtchen Le-Grau-de-Roi und Aigues-Mortes, die auch gute Liegeplätze bieten und herrlich südländisch wirken, fahren wir zur Den Ruyghenhil in ihrem Flusshafen PORT 2 in L`Ardois.

 
An Bord ist alles in Ordnung und nach einer kleinen Reparatur am Ofen wird es auch in der doch kühlen Nacht gemütlich warm in unserer Kajüte.

 
Am nächsten Morgen starten wir unsere Besichtigungstour mit einem ausgiebigen Bummel in Avignon. Und in den nächsten Tagen geht es weiter mit unserem touristischen Programm: Marseille mit seinem Alten Hafen und seinen Stränden, das Luberon mit den Okerfelsen und dazwischen immer wieder schöne Städtchen und Landschaften.

 
Aber auch Ruyghenhil wird gepflegt. Neben dem fälligen Ölwechsel bekommt sie neue Filter, die Pumpen und alle anderen beweglichen Teile am Motor werden kontrolliert, teilweise erneuert und der Motorraum gesäubert. Auch die Masten bekommen einen ersten Anstrich und die Wanten werden gelabsalt. Unter den Winterplanen sieht man die Arbeiten zwar nicht, aber als wir am 28.10.2004 unser Schiff verlassen,bei starkem Regen und Sturm, um per Flugzeug von Montpellier zurück zu fliegen, ist sie gut geschützt für die lange Winterpause im Süden von Frankreich.

 
Au revoir
 

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