Abschlussfahrt in der Camargue Herbst. Ruyghenhil kommt auf die Werft

Sommerurlaub 2005

Jetzt war Ruyghenhil wieder knapp acht Wochen in Südfrankreich auf sich alleine gestellt. Als Wolfgang als Arbeitsvorhut am 14.8. ankommt, glaubt er auch, dass alles in Ordnung ist. Leider erzählen die Deutschen Sommerdauerlieger etwas anderes: Am 30.6. hat ein Fischerboot die Kontrolle über das Ruder verloren und ist durch die Strömung auf unseren Steg versetzt worden. Das Meiste hat unser Nebenlieger, eine belgische 9-m-Stahlsegelyacht, die Seahorse, abbekommen. Ihre Seereling ist total ramponiert, einige Beschläger abgerissen, der Rumpf etwas verbeult und weiteres mehr. Aber auch bei uns ist die Baumstütze kaputt, der Rettungsring eingerissen und einige Kratzer am frisch gestrichenen Rumpf. Leider fühlt die Versicherung des Fischerboots sich nicht mehr zuständig, da die Meldung zu spät gekommen wäre. Na Danke….

Auf Grund des schönen Wetters, mit langer Mittagssiesta, entroste und streiche ich das Deck, überarbeite die Luke am Eingang und erledige noch einige andere Arbeiten, Aber auch der Urlaub kommt nicht zu kurz.

 
Am Donnerstagabend 18.8.2005 kommen Christa, Stefan und sein Freund Sarmen mit dem Flugzeug in Montpellier an und der Sommerurlaub beginnt. Auf Grund des starken Südostwinds können wir aber nicht mit der Ruyghenhil auslaufen, denn die Wellen in der Hafeneinfahrt sind mindestens 11 Meter hoch und die Brandung am Strand ist wie am Atlantik. So verleben wir warme und schöne Tage am Strand und im Wasser, bummeln durch die Stadt und besuchen mit den Fahrrädern auch mal den großen Yachthafen Port Camarque. Stefan und Sarmen finden sogar eine Disco, allerdings öffnet sie erst um 0.30 Uhr die Türen. Na dann ist ja alles wie gewohnt (im Jazzkeller im heimischen Hofheim beginnt ja auch erst um diese Zeit das wirkliche Leben) und unsere Jugendlichen genießen den Sommerurlaub genauso wie die Älteren. Aufregende Momente bieten ganz kurze Beibootfahrten aus der Hafenausfahrt, gesichert mit Schwimmwesten und einer immer am Ösfass, um das überkommende Wasser wieder auszuschöpfen. Auch der Besuch der Stierkampfarena zu einer traditionellen Show über das Leben der Camarquaiser mit Reitvorführungen, kurzem französischem Stierkampf und Rodeo hat viel Spaß gemacht. Das Meeresaquarium besuchten wir am späten Abend und hatten unseren Spaß daran, die großen Haie, Rochen und andere exotischen Fische und Getier hinter den Scheiben  über und neben uns entlang gleiten zu sehen.

Unsere erste Ausfahrt aufs Meer beschert uns am Donnerstag 25.8. auffrischende 4-5 Windstärken aus Südost, die für uns Langzeit-Binnenfahrern ganz schön starke Wellen bringen. Dennoch segelt uns Ruyghenhil unter Fock und Groß bei 4 bis 5.3 Knoten gemütlich an der Küste entlang bis kurz vor Carnon und wieder zurück zu unserer Hafeneinfahrt. Richtige Ausfahrten ermöglicht uns dann das Wetter, nachdem Markus und seine Freundin Andy am Sonntag 28.8. angekommen sind. Bei herrlichstem Wetter, Sonne und Hitze und wenig Wind bis Flaute erobern wir in den nächsten Tagen das Mittelmeer und genießen es, um das Boot herum zu schwimmen, mit dem Beiboot auf Foto-shooting zu gehen oder einfach auf Deck zu faulenzen.

Viel zu schnell vergehen die gemeinsamen Tage und am Mittwoch 31.8. bringt uns Markus zum Flughafen. Er und Andy bleiben noch an Bord.

Nach sechs Tagen Sommerurlaub nähert sich am Montag 5.September 2005 ein Unwetter. Und tatsächlich regnet es am Dienstag ununterbrochen und der Kanal läuft über die Ufer und überschwemmt teilweise Le Grau Du Roi. Auch Ruyghenhil ist dem Sturm und dem Regen nicht ganz gewachsen und es gibt einige nasse Stellen im Schiff. Sonst hat sie sich aber tapfer gehalten und nach einigen Stunden Sonne ist alles wieder in bester Ordnung.

Aber am Donnerstag geht`s gleich weiter. Obwohl vom Wetterdienst und dem mittlerweile eingesetzten Katastrophenschutz nicht als so gefährlich eingeschätzt, entwickelt sich Sturm und eine Regenfront, die die Städte Nimes und Montpellier absaufen lässt. Mittlerweile wird auch von der Wasserschutzpolizei der Ankerplatz im See des Flüsschen Vidourle geräumt, da dieser die Entwässerung der Petit Camarque ist. Und in der Nacht bestätigt sich die Maßnahme. Die Vidourle, die direkt an unserem Liegeplatz in den Kanal mündet, schwillt an, sorgt für eine Strömung  von mindestens 12 Kilometern und transportiert Bäume, Betten, zerschlagene Bootsrümpfe, ganze Schilffelder, Türen und was sonst noch am Ufer lagerte. Leider nicht ohne an den Booten am Steg anzuecken und so stehen Markus und andere Bootseigner in den Nächten von Donnerstag und Freitag (9./10. September 2005) wie Flößer am Bug der Schiffe und stoßen die Bäume ab oder befreien die Boote. Welch ein Glück, dass Markus und Andy an Bord sind!

 
Am Samstag 10.9.05 hat sich die Lage etwas beruhigt, obwohl die Strömung immer noch stark ist und das Wasser braun und dreckig zum Meer gurgelt. Markus und Andy müssen auch Urlaubsschluss machen, da Markus am Sonntag Redaktionsdienst hat.

 
 
 
 
 
Nach einem Urlaub von Familie Manneschmidt an Bord (mit vielen nächtlichen Störungen während des Dorffestes durch Jugendliche direkt an unserem Quai de Colobert) kommen am Freitag 23.9. bis 25.9.2005 vier Lehrerinnen und Wolfgang zu einem kurzen Ausflug an Bord. Zwar ist das Wetter morgens immer neblig bis diesig, aber dann kommt schnell der Sonnenschein durch. So können wir am Samstag den ganzen Mittag und Nachmittag auf dem Mittelmmer segeln und in der kurzen Flaute auch schwimmen. Am Sonntag geht’s dann mit dem Boot nach Aigues Mortes. Dort ist Hafenfest und die mittelalterliche Stadt begeistert mal wieder. Überraschend viele alte Schiffe, auch Plattbodens, erfreuen sogar Wolfgangs Herz. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen werden wir vom alten Kutter aus Grau du Roi und traditionellen Fischerbooten begleitet, die sich zu einem Bootscorso formieren. Gleichzeitig ertönt die Musik aus Nabucco und unendlich viele Schiffshörner. Wir sind begeistert und hupen und winken fröhlich und stolz zurück. Wirklich ein wunderschöner Abschluss dieses kurzen Wochenendausflugs!

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