Mitten durch Berlin

BILD0667Der erste Morgen in Berliner Gewässern erwartet uns mit einem goldenen Sonnenaufgang über dem See.

Nachdem wir die Freunde Wollo und Elisabeth am Anleger in Wannsee abgeholt haben, mit einem nicht so ganz freundlichen Rüffel des „Wächters“ der Steganlage der Fahrgastschifffahrt, motoren wir in Begleitung einiger Segelboote den im Sonnenlicht glänzenden Wannsee entlang. Ein wirklich herrliches Revier, direkt bei der Großstadt. Über die Spree, mit schneller Schleusung, fahren wir immer näher zur Innenstadt und sind auf einmal mitten im Getümmel der Ausflugsschifffahrt.

BILD0688 Kein Wunder, denn an Ufer ziehen nacheinander nur so die Attraktion vorbei: die „Muschel“, für viele Jahrzehnte Europas größte und eleganteste Halle, die Ministerien, das Bundeskanzleramt, der Bundestag, die Museumsinsel, die Baustelle des Palasts der Republik, und, und, und….

Als wir an der Mühlendamm-Schleuse, die an das Holländische Viertel angrenzt, ankommen, wird uns ganz klar: Wir sind angekommen!

Die letzten Meter zu unserem Winterliegeplatz Yachthafen Stralau im Rummelsburger See an der Spree sind die Abschlusskür. Hier im Hafen finden wir alles ideal vor. Schnell können wir die Formalitäten klären, vertäuen unser Plattboden sicher und räumen es auf.

Als wir am Samstag, 18.10.2008, gegen 18 Uhr DEN RUYGHENHIL abschließen, schließen wir wieder mal ein Kapitel unserer Bootsreise durch Europa.

 


BILD0666Am Freitag, 17.10.2008, beginnt jetzt der letzte Teil unserer Fahrt nach Berlin und nun zusammen mit unseren Berliner Kindern und Enkelkindern. Schnell ist die letzte Kanalstrecke geschafft, der Plauer See wird bei Westwind und 5 Windstärken schon fast wie Holland erlebt und am Mittag legen wir mitten in Brandenburg an. Hier muss Katjuscha zum Bahnhof, denn sie hat übers Wochenende eine Weiterbildung. Wir aber fahren weiter die Havel-Wasserstraße mit ihren Seen und vielen Altarmen, erreichen am Abend die Vororte Potsdams mit der Glienicker Brücke und biegen nordwärts in den Wannsee ab. 

Wir haben das Gefühl unser Ziel erreicht zu haben. In der früh hereinbrechenden Dunkelheit legen wir in Kladow an und feiern unsere Ankunft mit einem Abendessen beim Italiener.

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Genthin

 

BILD0506 So wird Genthin für uns ein richtig gutes Plätzchen. Denn am nächsten Morgen, Donnerstag, 16.10., kommt schon um neun Uhr Herr Pilz vom Bosch-Dienst und baut nach kurzem Durchmessen die Lichtmaschine aus und versucht sie am selben Tag noch zu reparieren. (Leider stellt sich am Mittag heraus, dass eine Reparatur nicht mehr möglich ist. So wird die Sache natürlich richtig teuer, aber mit einer neuen Lichtmaschine auch wieder sehr sicher.)  

Mittlerweile haben sich Christian und Katjuscha mit ihren Kindern Linus und Oskar von Berlin aus aufgemacht, um die Endetappe unserer Fahrt quer durch Deutschland mitzumachen und kommen schon am frühen Mittag mit dem Regionalexpress am Bahnhof an. Nach schönstem Wetter am Morgen und Mittag kommen pünktlich zum Einbau der Lichtmaschine durch Herrn Pilz heftigste Regenschauer. Dabei leistet der große Sonnen- und Regenschirm, den uns Andy mitgegeben hat, beste Dienste, um den Arbeitsplatz im Cockpit wenigstens einigermaßen trocken zu halten.

Mit einem großen, gemeinsamen Abendessen beenden wir unseren ersten Hafentag auf unserer Reise, der sich hier in Genthin für uns als sehr glücklich erwies, da alle Probleme gelöst werden konnten.

 


Über die Elbe

Für Mittwoch, 15.10. und Geburtstag von Sohn Chriggi in Berlin, kann also die Devise nur heißen: ab zum Knotenpunkt des Mittelkanals und der Elbe und zur Schleuse Rothensee. Immer hinter unserem polnischen Schiff her durch den langweiligen Kanal, bei kalten und etwas regnerischem Wetter. 

BILD0491 Gerade als wieder etwas seelische Ruhe eingekehrt ist, fängt unsere Ladelampe wieder an zu flackern um dann permanent zu leuchten. Zudem zeigt auch der Drehzahlmesser nichts mehr an. Dies scheint doch auf einen größeren Defekt an der Lichtmaschine hin zu deuten. Wir erreichen jedoch die Schleuse Rothensee am Verbindungskanal zur Elbe ohne dass der Strom im Bordnetz abfällt. Nette Wasserschutzpolizisten geben uns, während wir auf die Schleusung warten, zwei Telefonnummern für die möglicherweise notwendige Reparatur. Auch ein Anruf bei Firma DRINKWAARD, unserem Motoren- und Ersatzteillieferanten in den Niederlanden, macht uns Mut. Die Batterie hält ohne Ladung vier bis sechs Stunden und wir haben ja noch den zweiten Batteriesatz zur Verfügung.

So lassen wir uns, zusammen mit einem zweiten Sportboot, das auch nach Berlin will, und „unserem“ Polen schleusen und bewältigen die Großbaustelle Verbindungskanal zur Elbe und Vorhäfen der Stadt Magdeburg. Aber oh Schreck: Das polnische Schiff biegt  nicht in die Elbe ab, sondern läuft auf einmal die nächste Hafeneinfahrt an.

Wir aber gehen zusammen mit dem kleinen Sportboot auf Elbefahrt und können die wärmende Sonne, den schnellen Fluss mit seinen vielen Schleifen nach einigen Kilometern mit Anspannung  auch tatsächlich genießen. 

BILD0501 Herrlich die Gänseschwärme, die sich über den Auen sammeln und ihre Formationen üben. Die vierzig Kilometer Flussfahrt sind schnell bewältigt und so entschließen wir uns, da die Schleuse des Parayer-Verbindungskanals kaum Aufenthalt bedeutet, und die Batterie immer noch gut gefüllt ist, die Elbe-Havel-Wasserstraße bis nach Genthin zu fahren. 

Bei hereinbrechender Dunkelheit erreichen wir das Städtchen und sind etwas irritiert, da wir die in der Karte angegebenen Anlegemöglichkeiten nicht finden. Erst als wir aus dem Stadtbereich fahren und uns ein etwas betrunkener Stadtstreicher vom Ufer anruft, sehen wir, dass hundert Meter zurück ein kleiner Hafen ist. Als einziges Schiff macht es uns auch gar keine Mühe einzulaufen und schon kommen von allen Seiten Leute, die uns versorgen und helfen wollen. Strom, Wasser, Dusche (alles exklusiv nur für uns), Einkauf, Tankstelle, Bahnhof, Bosch-Dienst - alles kein Problem.

 


 BILD0479 Gut gestärkt geht am Montag die Fahrt weiter bis nach Hannover. Hier, in der Mitte des MLK, wollen wir wieder tanken, erreichen aber in dem verlassenen Jachthafen keinen Menschen. Auch über die angegebenen Handynummern ist kein Kontakt herzustellen. Erst nachdem wir schon fast aufgegeben haben, findet Christa noch eine stark verblichene Nummer und dies ist tatsächlich die Privatnummer des Hafenmeisters. Er verspricht in einer Stunde, an seinem Ruhetag (!), vorbei zu kommen. Na, wieder einmal Glück gehabt. Beim Tanken erfahren wir dann, dass die zweite Schleuse, Schleuse Zerben, der Fortsetzung des MLK im Elbe-Havel-Kanal bis 26.10.2008 geschlossen ist. Diese Schleuse können wir aber umgehen, in dem wir vierzig Kilometer die Elbe stromab fahren und einen Verbindungskanal zum EHK benutzen. Dies ist zwar ein Umweg, aber nicht wirklich tragisch. 

Eine deutlich dramatischere Bedeutung bekommt diese Nachricht allerdings, als uns ein Binnenschiffer an unserem Übernachtungsplatz am Abend in Senden erzählt, dass die Elbe derzeit Niedrigwasser hat und kaum gefahrlos befahrbar sein dürfte.

So suchen wir noch am Abend die Telefonnummern der Wasser- und Schifffahrtsämter und der Pegelstände heraus, und telefonieren am Dienstag, 14.10. frühmorgens, um uns besser über unsere Weiterfahrtmöglichkeiten zu informieren. 

Bis zu einem Tiefgang von 1,20 m ist die Elbe auch ohne Karte und Lotsen zu befahren. Also: Weiterfahrt gen Berlin an Braunschweig und direkt an den Volkswagenwerken in Wolfsburg vorbei, bei zwar bedecktem, aber trockenen Wetter. Als wir am Abend am Übernachtungsplatz in Calvoerden von einem polnischen Schiffer, mit dessen Frachter wir nun schon drei Tage immer parallel fahren, hören, dass er auch nach Berlin muss und die Elbe fahren will und wir hinter her fahren können, wächst der Optimismus, Berlin doch noch zu erreichen wieder deutlich. 


 BILD0439 Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren die Kinder nach Hause und Christa und Wolfgang setzen die Überführungsfahrt nach Berlin fort. Bei wieder strahlendem Wetter wird noch schnell getankt, die Schleuse Münster bewältigt und dann der immer grüner werdende DEK befahren. Am Abend kommen wir zur Abzweigung des Mittellandkanals (MLK), begegnen auf den ersten Kilometern dem Plattboden Vertrouwen (einer Klipperaak, dem gleichen Schiffstyp wie unsere Ruyghenhil) der Seniorengemeinschaft ZWAR aus Dortmund. Das Schiff liegt im Museumshafen Greifswald und wird zu jeder Saison von Dortmund an die Ostsee überführt. 

BILD0461 Da immer mal die Ladelampe des Motors leuchtet, wollen wir heute Abend in einem Jachthafen übernachten, um eventuell eine Reparatur zu arrangieren oder wenigstens Strom zu tanken. Die bei Kanal-km 10 liegende Marina Recke ist ein idealer Platz mit netten Menschen. Leider ist der Elektriker des Vereins gerade nach Hause gefahren. Die Batterie zeigt auch noch keine Schwächezeichen und an der Lichtmaschine liegen ebenfalls 24 Volt an. Am nächsten Morgen, Sonntag 12.10., leuchtet die Ladelampe dann auch nach einer kurzen Anlaufzeit nicht mehr und die Lichtmaschine lädt offensichtlich auch das Bordnetz. So können wir beruhigt unsere 110 Tageskilometer bewältigen und legen am Abend am Schifffahrtsanleger von Polhagen an.

Diese Anleger sind wirklich ideal. Manchmal auch unterteilt für Kleinfahrzeuge und Berufschifffahrt, oft auch versehen mit Stromsäulen, deren Berechtigungszugang man bei den Schleusen oder den Verkehrsvereinen der nahe liegenden Städte kaufen kann. Auch wir nutzen immer die Stadt oder das Dorf in der Nähe und Wolfgang kauft am Morgen frische Brötchen und Croissants.


Von Oberhausen nach Münster

Am Freitag, 10.10.2008, startet Wolfgang früh am Morgen um 7.20 Uhr und der Nebel liegt noch über dem Wasser. Die Nacht war klar und kalt und es ist gut, dass unser Ölofen am Abend und am Morgen angenehm das Schiff durchwärmt. Schnell werden die zwei restlichen Schleusen des RHK bewältigt und um 12 Uhr kommen wir am historischen Schiffshebewerk Heinrichsdorf vorbei und damit an den Anfang des Dortmund-Ems-Kanals (DEK). Nach einer schönen Fahrt mit doch recht viel Schiffsverkehr, vielen Kanalbaustellen und bei schönstem Wetter, erreichen wir am Abend den Stadthafen von Münster. Dieser Hafen wird gerade zu einem „Szenen“viertel umgebaut mit Kneipen, Kleintheatern, Konzerthallen, Clubs, Büros und alten Speichern – interessante Sache. 

Heute  Abend kommt Christa mit dem Auto nach und Andy, Markus und Stefan fahren am Samstag früh zurück nach Hofheim. Dank eines Navigationsgeräts ist Christa auch pünktlich um 21 Uhr in Münster, aber da das Navi den Stadthafen nicht kennt, wir zu dumm sind, um nach einer Straße und einer Hausnummer zu schauen, die Christa eingeben könnte, dauert es noch eine dreiviertel Stunde bis sie bei uns an Bord ist. Der Abend an Bord wird dafür umso entspannter und alle schlafen in der sternklaren Nacht tief und fest. 

Nicht alle, denn irgendwann kommen nicht mehr ganz nüchterne junge Leute und meinen lauthals, dass sie das „Piratenschiff“ mal entern könnten. Andy und Christa wachen von dem Geschrei auf und als Christa in der Kajüte das Licht anmacht, ist es mit der Abenteuerlust vorbei und die Jugendlichen ziehen von dannen.


Durchs Ruhrgebiet

 

BILD0430 Vor der Weiterfahrt am Donnerstag 9.10. steht noch das Tanken im hintersten Eck des Hafens an. Als Markus herein manöveriert hat, wir festliegen und er den Motor ausmachen will, hat er den Bowdenzug des Ausziehknopfes des Motors in der Hand. Schnell können wir klären, dass der Zug am Ende gerissen ist und wir ihn mit Bordmitteln reparieren können. Eine Stunde später laufen wir am Kölner Stadtpanorama vorbei und begegnen unglaublich vielen Hotelschiffen, die das enorme Interesse an Flusskreuzfahrten zeigt. Einmal haben wir auf einem Rheinabschnitt fünf Schiffe im Blick. Es ist auch durchaus anstrengend, denn die Hotelschiffe sind sehr schnell, überholen recht rücksichtslos und drängeln auch Frachter zur Fahrwasserseite. Und hier am Niederrhein ist wirklich viel Verkehr. Die zunehmende Industrie rund um Leverkusen, Krefeld und Düsseldorf bedeutet natürlich mehr notwendiges Transportvolumen, und das sind nun mal Schiffe.

Durch die Strömung kommen wir bei sonnigem, aber kaltem Wetter schnell voran und sind am frühen Nachmittag vor der Ruhrschleuse in Duisburg. Hier ist ein kleiner Stau, denn die eigentlich erste Schleuse des Rhein-Herne-Kanals (RHK) ist wegen Umbauarbeiten geschlossen. Aber nach einer dreiviertel Stunde kommen wir weiter und fahren hinter Binnenschiffen die Schleusen und den grünen Kanal entlang. An den Verladestellen der Städte sieht man erst, dass wir mitten im „Ruhrpott“ sind, denn Namen wie Gelsenkirchen, Bottrop und Oberhausen verbindet man nicht mit Grün sondern mit Bergbau, Stahl- und Schwerindustrie. Da wir an der fünften Schleuse alleine ohne Begleitung eines Binnenschiffs liegen und wieder eine dreiviertel Stunde warten müssen, erreichen wir erst in der Dunkelheit den Yachthafen des „Centro Oberhausen“. 

Aber diese Nachfahrt ist kein Problem und das Centro, das größte Einkaufscenter Europas entpuppt sich, selbst für uns als Shopping-Muffel, als eine echte Attraktion. Nach einem Einkaufsbummel, ohne shoppen, gehen wir ins Steakhaus Maredo und sind alle überrascht von der Qualität des Essens. So ist auch dieser Abend schön abgeschlossen und wir gehen früh zu Bett, denn am morgigen Freitag wollen wir Münster am Dormund-Ems-Kanal erreichen.  

 


Auf dem Rhein bis Köln

In der Nacht hat es viel geregnet und so muss vor unserer Abfahrt am Mittwoch, 8.10. um 8.20 Uhr erst einmal das Beiboot ausgeschöpft werden. Bis Koblenz und den Rest der Bergstrecke mit den vielen Burgen und Schlössern können wir noch ohne Regen erleben, dann regnet es aber ununterbrochen und kalter Wind kommt noch dazu, so dass wir die Fahrt nur aushalten, weil sich Wolfgang und Markus am Steuer abwechseln.

Nachdem wir im Kölner Rheinauhafen angelegt und geklärt haben, dass wir erst am nächsten Morgen tanken können, raffen wir uns trotz beständigem Nieselregen zu einem Stadtbummel auf. So erleben wir zum ersten Mal den Kölner Dom ohne Baugerüst und auch von innen mit Orgelklängen. Nach einem Bummel über den Heumarkt, einer kuriosen Suche eines „Rewe“ und einem erfolgreichen Einkauf, fangen wir mit einem großen Steakbacken und –essen an.

Vorher spricht uns aber noch ein Segler an, der mit seinem Boot Momo den Rhein hoch fährt. Peter Lukas ist Norweger, als Kind in einem Internat in Österreich groß geworden und spricht deshalb mit Dialekt gut Deutsch. Er segelt und bereist seit 20 Jahren (dabei wirkt er noch recht jung) Europa und alle angrenzenden Meere. Jetzt will er über die Donau ins Schwarze Meer, Türkei, Cypern, Israel, Nordafrika und im nächsten Jahr außen herum wieder zurück nach Norwegen. Er ist nett und will von uns ein paar Tipps, welch Häfen in kurzen Abständen von ihm und seinem Boot gegen die Strömung zu erreichen sind. Der Abend wird sehr gesellig und unser Essen fängt erst um 10.30 Uhr an.


Am Dienstag, den 07.10. geht es los: Andy, Markus, Stefan und Wolfgang werden von Christa zum Liegeplatz in Höchst gefahren werden, der gesamten Familie Speck auf Wiedersehen gesagt haben und die Reise bei trübem Wetter beginnt. Christa kann leider noch nicht mitkommen, da sie arbeiten muss. Sie wird dann auf der Fahrt irgendwo Andy, Stefan und Markus ablösen.

Gleich am Industriehafen Süd in Höchst hat unsere Reise einen dramatischen Höhepunkt. In einer leichten Rechtskurve überholt ein Bergfahrer einen anderen Frachter, fährt Vollgas, drängt uns natürlich voll ans Ufer und die sich überschlagenden Wellen sorgen dafür, dass Ruyghenhil seit langem mal wieder Wasser über den Bug schwappt. Glücklicherweise sitzen wir nicht auf Grund auf und Markus kann unser Schiff freisteuern. Huch, was für ein Schreck und was für ein Blödmann, so unverantwortlich zu fahren! 

Dafür wird das Wetter zunehmend schöner, die Schleusen in Eddersheim und Kostheim lassen uns schnell passieren und um 13.10 laufen wir in den Rhein ein. Getrieben von einer Strömung zwischen 6 und 9,5 Stundenkilometern passieren wir den Rheingau, alle die Ortschaften und Städtchen und Flussabschnitte, in denen Wolfgang sich als Kind und Jugendlicher mit dem Boot und vom Boot aus herum getrieben hat: das Binger Loch, die Kaub und die Loreley. Am Abend legen wir im Stadthafen St.Goar in einer gepflegten aber verlassenen, kleinen Marina an. Wir lassen es uns nicht nehmen und erklimmen die über dem Tal thronende Burg Rheinfels, genießen den tollen Blick auf Berge, Fluss und Schiff und sind nach dem Abstieg ganz enttäusch von St.Goar: Ein Touri-Nest, das jeder Beschreibung spottet. Also wird an Bord gut gekocht und nach einem gemütlichen Abend früh schlafen gegangen.


Ankunft in Frankfurt

Heute, am 17.10.2007 ist wieder herrliches Wetter. Es liegt leichter Dunst über dem Wasser, aber kein Nebel, so dass wir nach netten Gesprächen mit der „Rentnerband“-Hafenmeisterei des Eicher Segelclubs zur letzten Tour um 10 Uhr starten.

Bei schönstem Wetter erreichen wir die ersten Weinberge, Nierstein, Nackenheim, Budenheim und dann tatsächlich Mainz mit der Mainmündung. Recht unwirklich erscheint uns, dass wir wirklich mit dem Boot von Holland zum Mittelmeer und dann in unsere Heimat gefahren sind.

Irgendwie ist es auch ein bisschen traurig, dass nun die lange Reise erst einmal zu Ende ist. Und so passt der erste Regen während der Fahrt kurz vor Höchst, nachdem auch die Mainschleusen bewältigt sind, etwas in unsere Stimmung. 

Aber als wir anlegen und die Sonnenstrahlen wieder heraus kommen, und unsere Ruyghenhil vor dem wunderschönen Panorama der alten Stadt Frankfurt-Höchst liegt, sind wir doch stolz und glücklich.

Die Reise ist geschafft!


140 Tageskilometer!

Wenig Nebel am Dienstag Morgen ermöglicht uns schon das Ablegen um 8 Uhr und lässt die Hoffnung aufkommen, dass wir auf der freien Flussstrecke viele Kilometer zurücklegen können und bis Mittwoch nach Höchst kommen. Und tatsächlich schiebt die Strömung stark. Wir passieren Karlsruhe am Mittag, Speyer und  Mannheim am Nachmittag und erreichen am frühen Abend nach 140 Tageskilometer heimische Gewässer, die Wolfgang aus seiner Kindheit gut kennt.

Da Christa am nächsten Tag leider arbeiten muss, lassen wir sie in Worms bei einem ganz kurzen Stopp an Land und sie fährt mit dem Zug nach Hause. 

Der Rest der Mannschaft mit Andi, Markus, Stefan und Wolfgang erreichen rechtzeitig zum Sonnenuntergang kurz hinter Gernsheim den Eicher See. Hier war vor dreißig Jahren ein wunderschöner Badesee, der heute mit kleinen Bungalows verschandelt ist. Wir finden aber einen netten und ruhigen Übernachtungsplatz beim Eicher Segelclub und können uns, vor der letzten Etappe, auch noch einmal gemütlich duschen. Sonst haben wir übrigens auf dieser Tour mal wieder unsere Badewanne genutzt und uns sehr angenehm reinigen können.


Durch Straßburg

Am Montag, 15.10.07,  liegen wir schon gegen 11 Uhr vor der Schleuse von Straßbourg. Die notwendigen Tankstellen  aber haben Mittagspause bis 14 Uhr, so dass wir die Pause zu einer kurzen Tour durch die Stadtschleusen zur Innenstadt nutzen. 

Ein kurzer Spaziergang bringt uns dann zur Altstadt und zur Kathedrale. Um 14 Uhr sind wir pünktlich am Tanken und können gut gerüstet die Reststrecke in Angriff nehmen. Unser Übernachtungsplatz im Yachthafen Greffern liegt kurz vor der letzten Schleuse am Oberrhein, Schleuse Iffezheim.


Auf dem Rhein im Herbst

Am Sonntagmorgen empfängt uns mal wieder dichter Nebel. Erst einmal weiter schlafen, dann schön duschen und dann, trotz Sonntag, Brötchen holen. Andi, Markus, und Wolfgang nutzen den Landausflug gleich zum Stadtbummel in der bekannten Ausflugsstadt Breisach.

Bei der Rückkehr zum Boot hat sich mittlerweile Christian entschieden, weil wir heute nicht mehr unser eigentliches Ziel Straßbourg erreichen können, von hier aus nach Hause nach Berlin zu fahren. Also bringen wir alle zusammen Chriggi und Linus um 12.30 Uhr zum Bahnhof und winken traurig Abschied.

Nach einem kurzen Imbiss der Spezialitäten Zwiebelkuchen und Federweißer legen wir um zwei Uhr bei wieder strahlendem Sonnenschein ab und erreichen am Abend den im Strom liegenden Yachthafen Lahr.


Da wir am Samstag Morgen, 13.10.2007, von der Schleusenmannschaft Bescheid bekommen haben, dass wir die Stadtschleusen von Mühlhausen erst um 13 Uhr passieren können, bummeln wir ganz gemütlich von Schleuse zu Schleuse. Am Mittag durchfahren wir dann Mulhouse. In der letzten Schleuse der Stadt ist zum ersten Mal der Kühlwasserfilter und –eintritt für den Motor verstopft. Die im Kanal schwimmenden Blätter bilden einen dichten Stopfen. Dafür, dass alle „Experten“ uns Schwierigkeiten mit der Motorkühlung im Kanal vorhergesagt haben, ein sehr kleines Problem, dass schnell durch ein paar Handgriffe gelöst werden kann.

Am Port Napoleon, am Ende von Mulhouse legen wir noch einmal an und tanken an der nahen Straßentankstelle des Super-U achtzig Liter mit Hilfe der Kanister. Nach Passieren der Schleuse Niffer laufen wir in den Kanal Alsace, dem kanalisierten Rhein. Das Wetter ist weiterhin wunderschön und die Fahrt verläuft auf dem großen Kanal recht zügig, so dass wie uns entschließen, die letzte Schleusenstrecke bis Schleuse Vogelgrun in der Nacht zu fahren. Alles wird vorbereitet, jeder hat seine Schwimmweste an und die Ufer sind gut zu sehen. Auch die großen Fahrgastschiffe und das Riesenschubschiff, die uns entgegenkommen und den Kanal richtig aufwühlen, stellen für Ruyghenhil kein Problem dar. 

Ein Problem, und nicht mal ein kleines, haben wir aber gleich nach dem Auslaufen aus der Schleuse. Wir halten uns zu nahe an der Schleuseninsel, um direkt um die Ecke in den Hafen von Breisach einlaufen zu können. Dort ist aber, so erfahren wir später von Mitarbeitern des Wasser-und Schifffahrtsamts, alles verschlammt. So ist Ruyghenhil in kurzer Zeit richtig gut aufgelaufen bzw. wir haben sie in den Matsch gesetzt. Aus eigener Kraft kommt das Schiff nicht mehr frei. Durch Anruf beim Schleusenmeister bekommen wir ganz schnell Kontakt zur Wasserschutzpolizei, die gleich, es ist 21.30 Uhr, ein Boot vorbei schicken will. Am Ufer stehen mittlerweile drei Mitarbeiter des französischen Wasser- und Schifffahrtsamts und des Technischen Hilfswerks. Mit dem Beiboot rudert Wolfgang rüber und bespricht sich mit ihnen. Sie wollen erst mal abwarten, was die WasschPo erreicht. Und gleich darauf kommt das Boot und zieht uns tatsächlich problemlos aus dem Matsch. Der nette Beamte begleitet uns noch auf den kurzen Weg bis zum Außensteg des Yachtclubs Breisach. Und dann ist alles geschafft.

Denkste, denn kurz vor unserem Anlegen kamen Mitglieder des  Clubs, um uns zu beim Anlegen zu helfen. In der Dunkelheit ist einer der Helfer ausgerutscht und kopfüber ins Wasser gefallen. Aber alles ist noch einmal gut gegangen. Als Wolfgang noch einmal ins Clubhaus geht, um die Ereignisse zu schildern, ist auch der „Held des Abends“ da und spielt seine Rolle als Fachmann und großer Retter voll aus. 

Wir  beschließen den Abend um 23 Uhr mit einem guten Abendessen. Linus hat sich schon schlafen gelegt, nachdem er das Abenteuer auf Christians Arm ganz tapfer durch gestanden hat. 


Am Freitag, 12.10., müssen Andi und Markus mit dem Fahrrad zum Bäcker und Einkauf fahren und so treffen wir uns an Schleuse 3 wieder. In Montreaux Chalet.gibt es einen  wunderschönen Anleger mit allen Versorgungsmöglichkeiten. So machen wir hier am großzügigen Holztisch eine mehr als großzügige Frühstückpause. Und Linus genießt den ungewohnten Auslauf und rennt um den Tisch herum zum Austoben.

Weiter geht es mit Hilfe der Schleusenmeister. Von ihnen erhalten wir auch alle Hilfe bei der Schleusentreppe. Unser eigentliches Etappenziel Dannemarie erreichen wir schon um sechzehn Uhr, so dass wir uns entschließen weiter zu fahren. 


Linus’ erster Bootstag

Als am nächsten Morgen Chriggi und Linus aus Belfort abgeholt sind, hört gerade der erste Regen der Reise auf und auch der Nebel verschwindet aus dem Flusstal.

So geht ab Mittag unsere gemeinsame Reise mit dreizehn Passagieren weiter. Immer abwechselnd fahren einige mit den Fahrrädern parallel auf dem guten Treidelpfad, Kerstin benutzt auch mal die Inline-Skater, und schnell kommen wir das wunderschöne Doubs-Tal entlang nach Isle sur le Doubs.

Auch hier gibt es einen guten städtischen Anleger und am nächsten Morgen kann Wolfgang gleich um die Ecke die notwendigen Croissants und Baguette kaufen. Mit viel Sonne aber auch ganz schön kalt geht die Fahrt wieder schnell voran und schon am Mittag sind wir in Montbelliard. Da hier direkt am Hafen ein Super-Marche ist, können wir auch schnell unsere Vorräte auffüllen. Der Weg am weiteren Ufer ist so ideal gestaltet, das Markus und Andi Ruyghenhil auf dem Fahrrad begleiten und ein Fotoshooting veranstalten. Zudem startet Stefan zum Ende des Tages auch noch einen Super-Jogging-Lauf über acht Kilometer von Schleuse zu Schleuse. Auch Linus hat seinen Spaß am Boot. Alles erkundet er, lernt die Ankerwinde kennen oder spielt in der Kajüte. Am Ende des Tages lässt er sich mit Chriggi  im Beiboot schleppen. 


Zum Glück haben wir unseren Ofen. Am Montag, 7. Oktober, ist es wie jeden Morgen ganz schön kalt und feucht. Da tut die trockene Wärme unseres Bullerofens gut und zusammen bauen wir ein schönes Frühstücksbuffet auf.

Diesmal, so glauben wir, ist weniger Nebel über den Fluss und deshalb starten wir forsch die gemeinsame Fahrt mit der Tunneldurchfahrt unter der Zitadelle durch. Aber oh Graus: Auf den freien Flussstücken liegt dichter Nebel. Einzige Möglichkeit um zu weiter zu fahren: Silas steht als Ausguck auf dem Vorschiff. Ab 11 Uhr setzt sich dann die Sonne durch und auch dieser Fahrtag wird ein voller Erfolg, denn wir erreichen schon am frühen Abend unser Ziel Baume les Dames. 

Hier kommen in einer Stunde Andy, Markus und Stefan an und am nächsten Morgen wollen wir Christian und Linus am Bahnhof in Belfort mit dem Auto abholen. 

Der Anleger der Stadt Baume les Dames hier ist schön gestaltet und bietet Duschen und saubere Toiletten. So haben wir auch wieder einmal den Luxus eines Yachthafens. Janis, Lina und Silas entdecken jetzt auch das Beiboot und machen sehr geschickt alleine oder als Team Rudertouren im Kanal. Und am Abend gehen wir alle zusammen als Großfamilie in ein schönes italienisches Lokal zum Feiern eines schönen Bootstages.


Am Samstag, den 6.10.2007, fahren Christa und Wolfgang mit dem Zug nach St.Jean de Losne, um die letzte Etappe der Überführung nach Frankfurt am Main zu beginnen. Im Verlauf der Tour werden noch alle unsere Kinder kommen und auch Wolfgangs Bruder Dieter hat mit seiner Familie einen Kurzbesuch angekündigt.

Zuerst beginnt der Urlaub aber mit einer Zugfahrt am Kanal entlang. Eine schöne und ergänzende Einstimmung zu der viel gelesenen Kanalkarte. 

Im Hafen stellt sich schnell heraus, dass Ruyghenhil in Ordnung ist, und so können wir den sonnigen Tag gemütlich bei einem Abendessen im Lokal auf der Promenade an der Saone beschließen.

Am Sonntag sind wir fast pünktlich um 9.15 Uhr  an der ersten Schleuse des Kanals Rhone à Rhein und bekommen gleich die Fernbedienung für die automatischen Schleusen (es erwarten uns 17 Schleusen auf 40 Kanalkilometern am ersten Tag). Dieses System funktioniert prächtig und so werden die nächsten Schleusen mit herrlichen Häuschen und daneben liegenden Mühlen schnell passiert.  

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Wir sind erstaunt, wie schnell geschleust wird und dass  so wenige Boote unterwegs sind. Denn das Wetter ist wunderschön und die Landschaft rund um den Kanal sehr abwechslungsreich. Besonders der Wechsel zwischen den engen Kanalabschnitten und den Flusspartien auf dem Doubs gestalten die Fahrt sehr kurzweilig. Bis Dole treffen wir noch einige wenige Charterschiffe, aber auf der Weiterfahrt ist gar nichts mehr los.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der alten Stadt Dole erreichen wir am Sonntagabend den dörflichen Anleger von Ranchelot. Aber auch hier kann ich am nächsten Morgen frische Baquette und Croissants besorgen. Die Versorgungsmöglichkeiten sind hier viel besser als im Burgund, auch wenn  vieles an den Canal de Nivernais erinnert, den wir 2004 gefahren sind.

Nachdem sich der Nebel über dem Fluss gelichtet hat, setzen wir unsere Überführungsfahrt fort und kommen schon um 16 Uhr an unserem Etappenziel in der alten Festungsstadt Besancon an. Wir nutzen den freien Nachmittag zu einem Stadt- und  Einkaufsbummel. 

Am Abend kommen Dieter, Janis, Jula, Kerstin, Lina und Silas und wir verleben noch einen lustigen Abend. Silas und Janis schlafen an Bord, die andern in einem nahen Hotel. 


Am Samstag,  11.8., ist das Wetter wieder etwas schöner. Zuerst etwas trüb, aber dann setzt sich die Sonne durch. Und siehe da, St.Jean de Losne ist doch ein wirklich interessantes Schifferstädtchen. Hier gibt es, z.B. am Kanal, sehr gute Reparaturbetriebe und viele Serviceeinrichtungen. Zudem hat die Promenade einen eigenen Charme.

Am Mittag kommt  Màtè mit seinem Boot Glatisant wieder aus der Einfahrt des Rhein au Rhone Kanal zurück, da dieser wegen des Hochwassers des Doubs geschlossen ist.

So sind wir automatisch gezwungen einen sicheren Liegplatz bis zum Herbst  zu suchen, denn wir können in den nächsten Tagen keinen besseren Hafen als St.Jean erreichen.

So verlaufen die Tage gemütlich bei schönem Wetter. Kleine Fahrradtouren wechseln mit Bummel durch die Stadt ab. Aber auch Wäsche waschen und Streicharbeiten stehen auf unserem Programm. Nachdem wir am Montag, 13.8.2007, von der Hafenmeisterin einen sicheren Platz zugewiesen bekommen haben, machen wir uns mit der Bahn auf den Heimweg.

Zuvor haben wir noch Màtè und Emesè und ihrem Schiff Glatisant gewunken, die die Fahrt fortsetzen wollen. Wir hoffen Màtè bald in Frankfurt zu treffen. 

Obwohl die Frau in Bahnbüro in St.Jean de Losne  sagt, es gebe keine Bahnkarten mehr, weil alle Züge besetzt seien, fahren wir entsprechend unserer Streckenvorschläge aus dem Internet nach Dijon und können über Straßbourg und Offenburg nach Hause fahren. 

Viele Strecken der Bahn führen am Kanal vorbei. Der Fluß Doubs führt wirklich viel Wasser und wirkt in manchen Bereichen wie ein Wildwasserfluß. 

Gegen 22.30 Uhr sind wir in Hofheim und der Alltag hat uns wieder.


Am Freitag, 10.8., regnet es wieder. Und fast die ganze Nacht regnet es weiter, so dass die Saòne Hochwasser führt und ganz, ganz viel Gestrüpp, Äste und Stämme mitführt. Dennoch legen wir um 9.25 Uhr ab, auch weil unser Engländer, der uns so nett bei sich auf Seite hat liegen lassen, weg will. Und kurz drauf kommt es zum ersten Motorausfall auf der Reise. Und der ist selbst gemacht: Gestern habe ich aus dem Reservetank Diesel in den Haupttank laufen lassen und den Hahn nicht mehr zu gedreht, da es so langsam läuft. So konnte und musste der Motor über die Entlüftung des Reservetanks Luft ansaugen und aus gehen. Schaden erkannt, behoben (Hahn zugedreht!) und der Motor läuft die nächsten neun Stunden einwandfrei. So schieben wir uns durch die starke Strömung der Saòne mit manchmal notwendigem Ausguck an der Spitze. Christa dirigiert durch die Waldflächen auf dem Wasser.

Wir erinnern uns an das Lucky Luke Buch :“Auf dem Missippi“ und kommen uns recht abenteuerfreudig und mutig vor.

Glücklicherweise lässt am Nachmittag der Regen nach und ab Verdun sur Doubs, Stadt an der Mündung des Flusses Doubs in die Saòne, auch die Strömung und  die Wasserverschmutzung nach. So erreichen wir trocken unser Tagesziel St.Jean de Losne. Ein etwas verwunderlicher Hafen und Städtchen direkt am Eingang zum Kanal de Bourgogne und nur drei Kilometer von Kanal Rhone à Rhein. Verwunderlich deshalb, weil die Stadt der Heimathafen vieler Peniches ist und hier die Firma H2O, die als Spezialist für den Verkauf und Unterhalt von Peniches gilt, beheimatet ist. Andererseits machen der Hafen und auch die Stadt einen merkwürdig herunter gekommenen Eindruck auf uns. Vielleicht liegt es aber auch nur am wieder einsetzendem Regen und dem trüben Wetter. Im Hafen selbst liegen unzählige große Jachten aus allen Städten Europas.

Am Abend gehen wir noch mit Mate und seiner Freundin Emese essen, finden aber nur eine Pizzeria, da die Preise in zwei Restaurants höher als in Avignon oder am Mittelmeer sind.

Nach einem  netten Essen gehen wir früh schlafen. 


Regen voraus

Am Donnerstag, 9.8., ist das schlechte Wetter richtig angekommen. Am Morgen fahren wir zwar noch bei trockener Witterung um 9.30 Uhr in Macon weg, nachdem wir zwei nette holländische Rentnerehepaare kennen gelernt hatten, Aber ab 13 Uhr regnet es richtig und Wolfgang bleibt nur mit Hilfe des Sonnenschirms (welch eine Ironie) einigermaßen trocken. Davor gab es allerdings mal wieder ein Abenteuer. Bei Kilometer 101,5 liegen in der Saone zwei Motoryachten, ohne sich bewegen zu können. Unser Bekannter aus Budapest, Màtè, liegt auch schon da, kann aber die Boote nicht frei schleppen. Das eine war nämlich auf eine unter der Wasseroberfläche liegende Buhne gefahren und fest gekommen. Buhnen sind kleine Steindämme, die die Strömung regulieren. Das zweite Boot war bei der Hilfe ebenfalls aufgesessen und kommt auch nicht mehr frei. Wir konnten eine Leine mit Fender an die Boote treiben lassen und das Helferboot frei schleppen. Die zweite Yacht liegt allerdings so fest und durch die Strömung auf die Buhne gedrückt, dass alles zwecklos ist. Die Besitzer rufen deshalb bei einem Freund an, der mit seinem starken Motorboot, schweren Ankern und anderen Hilfsmitteln kommen will. Sie bedankten sich herzlich bei uns für unsere 1½ stündige Aktivitäten. 


Und wir fahren weiter, dem Regen entgegen. In Chalon-sur Saone  sind alle Plätze belegt, hier ist richtig viel Bootsverkehr durch Charterschiffe und auch Mittelmeerbummler, und so legen wir Ruyghenhil am Stadtquai auf Seite einer englischen Tjalk. Vorher hatten wir übrigens das erste unschöne Erlebnis mit einem Franzosen. Ein Angler am Quai wollte uns nicht anlegen lassen und so riskierte er doch glatt seine Angel bzw. Angelschnur bei unserem Anlegemanöver.


Von Lyon nach Macon

Stefan fährt am Mittwoch von Lyon aus mit dem Zug nach Hause und, wie Christa sagt, nur die Alten bleiben zurück.


Wir aber, gar nicht faul, gehen erst mal in einer kleinen Bäckerei frühstücken, um dann hinter unserem Màtè, der schon weg ist, hinterher zu “rasen”. Wir haben ihn dann erst einmal nicht mehr gesehen. 



Das Wetter ist besser als gestern an unserem Ruhetag,, also holländische Verhältnisse: Sonne, Wolken, Wind, immer mal leichte Schauer und stärkerer Wind, Temperaturen zwischen zwölf und zwanzig Grad. Die Fahrt die Saone hoch ist recht schön und glücklicherweise schon wieder wenig spektakulär. (Christa findet es erwähnenswert, dass in der ersten Schleuse die Beibootleine in die Schraube gekommen ist.) 

Am Abend kommen wir in Macon 80 km nördlich von Lyon, an und können dank des freundlichen Booterückens der anderen Lieger noch am neuen Steg anlegen., und gehen nach der langen Fahrt nach einem Stadtbummel bald ins Bett. In der Nacht erhalten wir von Màtè noch eine Mail, dass er im Jachthafen von Macon liegt.



Wir haben tatsächlich die Rhone geschafft!. Ich bin ziemlich erleichtert. Nach den vielen Reparaturen, dem Ärger mit dem Motor, der Angst vor der Strömung der Rhone und der Wehmut des Abschieds vom Mittelmeer und den dort kennen gelernten besonderen Menschen,insbesondere Michael, aber auch Kees und Spano,war es doch ganz schön spannend, wie wir (Ruyghenhil und Besatzung) das alles schaffen.

Heute war es recht einfach, auch wenn die Strömung am Schluss noch einmal ganz schön stark war.

Das Wetter war bis zur letzten Schleuse sehr gut, daan kamen
schrecklich schwarze Wolken über Lyon und wir beeilten uns anzulegen. Zuerst fanden wir aber noch eine klasse Tankstelle, denn wir haben seit Avignon nicht mehr getankt und sind mit dem wenigen Verbrauch sehr zufrieden.

Jetzt liegen wir hier direkt an der Altstadt von Lyon, warten das Ende des Gewitters ab und gehen heute Abend essen.


Die Rhône Richtung Lyon

Heute sind wir bis 47 km an Lyon heran gekommen und übernachten an einem kleinen öffentlichen Steg eines Weinorts, dass gleichzeitig eine Einfamilienhausansiedlung für Stadtflüchtige ist.

Das Bild ist typisch für diesen Abschnitt der Rhône.


Die Rhone stromauf

So stört es uns auch gar nicht so sehr, dass am nächsten Morgen der Hafenmeister erst um 10.15 zum Tanken kommt und gleichzeitig eine Gewitterfront aufzieht. Wir schieben einfach einen Hafentag ein.

Interessanter wird dieser Tag noch, weil wir Màtè Sinkó aus Budapest kennen lernen, der mit seinem 8,10 m Boot im letzten Jahr die Donau ins Schwarze Meer fuhr. Nun beendet er die Runde über die Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich über die Rhone, Kanal Rhone à Rhein, Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau.

Die nächsten Tage fahren wir  gemeinsam langsam die Rhone stromauf mit den Etappen Valence, Viviers und Chavanay (kurz vor Vienne). 


Am Mittwoch, 1.August 2007, ist um 6.45 Uhr Abfahrt. Ein letzter Besuch beim Bäcker gegenüber dem Bahnhof, ein letzter Blick zum Meer und der Abschied ist geschafft.

Ohne Problem fahren wir an diesem Tag den Kanal Rhone a Sete, die Petite Rhone und die Rhone bis nach Avignon, das wir am Abend um 19 Uhr erreichen. Nur die Strömung auf der Rhone, insbesondere unter der Brücke von Tarasconne, ist doch ganz schön hinderlich. Weil aber sonst alles klar geht, unsere Bedenken waren ganz schön groß, sind wir sehr erleichtert und bummeln am späten Abend durch das sommerliche Avignon.


Ostern 2007

An Ostern 2007 beginnen wir mit den üblichen Arbeiten nach neinem Winter. Zusätzlich stellen wir auch wieder die Masten um aus Ruygthenhil für die nächsten vier Monate wieder ein Segelschiff zu machen.

Zudem kommt unser Mechaniker vorbei, um mit uns über die Vidourle, Aigues Mortes und den Kanal eine ausführliche Probefahrt zu machen und den endlich fertig reparierten Motor zu testen.

So vergeht die Woche vor Ostern schnell und am Samstag fahren wir mit dem Auto nach Arles und Aix-de-Provence und genießen noch einmal die schöne Landschaft rund ums Luberon, bevor es am Ostersonntag nach Hause geht.


Winterlicher Kurzbesuch

Ein kurzer Besuch am 5. und 6. Januar 2007 zeigt, dass am Boot alles in Ordnung ist. Im Inneren ist alles trocken und sauber und der Motor ist nahezu fertig repariert. Es fehlt nur noch die optische und akustische Alarmanlage für Öldruck und Wassertemperatur, die Michael einbauen will. Der Motormechaniker hat den Motor auch gesäubert und silbern angestrichen und den Motorraum gesäubert.

Hier unten im Süden ist herrliches Sonnenwetter mir diesem besonders intensiven Licht.

Am Samstag geht es dann von hier aus zum Skiurlaub nach Sörenberg.


Am Mittelmeer 2006

  2006:
 
Auch beim Kurzbesuch 3./4. Januar im neuen Jahr 2006 stellt sich heraus, dass Michael gut auf Den Ruyghenhil aufgepasst hat. Schon sind viele Sachen repariert: Ruderkopf, Motorraumdeckel, Besanfuß und andere Teile werden gerade gerichtet, so die Ankerwinde, die zur Totalrenovierung sogar in eine Schmiede gebracht wurde. Bei schönstem Sonnenschein und leichtem Frost, ist das Licht und die Sonne für einen Mitteleuropäer ein echtes Highlight.  
Im Osterurlaub 2006 im April stellt sich dann aber raus, dass wirklich noch sehr viel gemacht werden muss. Auch wurde es noch notwendig das gesamte Cockpit und die Unterkonstruktion zu erneuern – die Kosten schnellen in die Höhe. Die Stahlarbeiten unter dem Cockpitboden bringen natürlich auch viel Schleifstaub und das Wohnen ohne Wasserstank ist auch nicht so richtig urlaubslike. Dennoch versüßt das schöne Wetter manch eine Unbill und so sind unsere Tage auf der Werft zwischen Streicharbeiten, am Strand, französischem Essen mit Michael und schwätzen über Boote und das Meer gut ausgefüllt.

Über die Fronleichnamstage sind Christa, Stefan und Wolfgang wieder an Bord. Und wie immer wenn wir da sind, wird am Schiff gearbeitet. So wird am Donnerstag der Besanmast gestellt, die überarbeitete Ankerwinde wird mit Schutzfarbe und schwarzem Schutzlack gespritzt und immer wieder wischen wir Wasser unter der Spüle. Denn: Leider stellt sich nach dem Einbau auch heraus, dass der Wassertank im oberen Bereich mehrere Löcher hat und erneuert werden muss. Also wieder Ausbau und einen Tank bestellen, der in den Sommerferi-en eingebaut werden soll. Aber unser Liegeplatz auf der Werft ist auch gemütlich mit all den anderen Yachties und der netten Katze von nebenan.

Schön und super interessant sind auch die Fußball-Weltmeisterschaftsspiele, die wir im Grand-Cafè oder in anderen Restaurants mit zunehmender Begeisterung anschauen. Zumal man sich bei dem schönen Wetter gleich am Strand und im Wasser so herrlich abkühlen kann. Urlaub pur für vier schöne Tage.

Der Sommerurlaub 2006 beginnt am Sonntag, 30.7. mit dem Flug in die Hitze. Eigentlich um am Schiff zu arbeiten, kommt Wolfgang eine Woche früher nach Südfrankreich. Aber es ist so heiß, dass ich die erste Nacht fast gänzlich im Cockpit verbringe  und auch noch dem Montag benötige, um mich zu aklimatisieren. Zudem stellt sich heraus, dass unser neuer Nachbar Kees, ein älterer, gerade verwitweter Holländer, der schon sein halbes Leben in Lyon lebt und dort auch sein Geschäft und die Familie hat, sehr nett ist. Wir führen interessante und super nette Gespräche und gehen auch mal zusammen essen. Am Dienstag kommt recht starker Wind auf und da Ruyghenhil auf die Helling kommt, kann ich auch den frischen Wind vom Meer genießen. Dennoch fällt die Arbeit recht schwer und viele Trinkpausen sind nötig. Am Abend ist aber der erste Antifouling-Anstrich geschafft und auch weitere Vorbereitungs-arbeiten erledigt. Am Mittwoch klebe ich den Wasserpass ordentlich ab, kann dadurch schnell den Unterwasseranstrich erledigen und den Rumpf schwarz anstreichen. Trotz der Hitze geht es überraschend schnell, und einen Vorteil hat`s ja: Die Farbe trocknet rasant. Michael, unsere gute Seele auf der Werft, hilft mir bei der Ruderanlage und am Abend gesellt sich auch noch Spano dazu und löst die Probleme mit der Befestigung der Ruderseile. An den Abenden bin ich immer in einem Cafe oder am Strand und kann so mit den Urlaubsgefühlen schon mal beginnen.
 
Zwischendurch repariert mir Michael auch noch das Beiboot, denn bei meiner ersten Ausfahrt mit Motor stellte sich heraus, dass das Heck angebrochen und total morsch ist. So haben wir alles neu mit Kunststoff aufgearbeitet und mit Sperrholz eine neue Motoraufhängung eingepasst.
 
An Donnerstag, 3.8.2006, kommt das Schiff wieder ins Wasser und die Streicherei geht mit Deck und Reling gleich weiter. So langsam macht es auch richtig Spaß, weil Ruyghenhil  wirklich besser aussieht. Als am Abend auch noch der neue Wassertank endlich ankommt, ist die Welt in Südfrankreich auf der Werft für mich in Ordnung. Am Freitag kann ich den Tank ohne Probleme einbauen.
 
Auch wenn noch einiges an Arbeiten zu erledigen ist, sind wir nun fahrbereit.  In der Zwischenzeit war auch von einer Motorfirma der Motor inspiziert, neue Ölfilter eingebaut, der Impeller der Seewasserpumpe erneuert und einige Kleinigkeiten für die große Fahrt gerichtet  worden
 
Kleinere Schönheitsarbeiten und Malereien wie Deck, Relings und Parkett lassen den Samstag schnell vergehen und dem Sonntag, 6.8.2006, sind dann Aufräum- und Säuberungsarbeiten zur Ankunft von Christa und Stefan vorbehalten. Und schon um 17.20 Uhr sind sie da und der Sommerurlaub kann beginnen.
 
Da das Wetter auch mitspielt, zwar nicht mehr so heiß, wie am Anfang, aber doch schönstes Sommerwetter, sind wir öfters am Strand.
 
Mit  kurzen Strandausflügen, Bummel durch das volle Städtchen und kleineren Arbeiten verbringen wir die nächsten Tage, bis am Mittwoch, 9.8.2006, Andy Hannig, ankommt. Markus Freundin möchte mit uns auf Tour gehen und als Fotografin viele Bilder schießen. Zum Abschied segeln wir wirklich noch einmal richtig auf dem Mittelmeer und nach wenig Wind  rauschen wir mir 5,8 Knoten nach Le Grau du Roi zurück.
 
Dann geht es am Freitag, 11.8.2006, um 13.30 Uhr los. Zum Abschied wird es dann doch recht traurig und das Verabschiedungskomitee mit Michael Sell, Kees Gruys und Edgar steht lange am Ufer. Das bewirkt bei uns doch einige heftige Gefühle und lässt immer wieder die Frage aufkommen: Wirklich wegfahren?
 
Doch die Fahrt geht weiter - Also los!
 
Gegen 16 Uhr sind war nach unproblematischer Fahrt vor der Schleuse in St.Gilles, um in die Petit Rhone einfahren zu können.
 
Oh Schreck aber, direkt nach der Ausfahrt aus der Schleuse setzt der Motor aus und wir treiben. Ein einfahrendes Motorboot schleppt uns an die Duckdalben. Beim Nachschauen stellt sich heraus, dass der Motorraum voller Wasser steht, der Deckel samt Anschluss des Ausgleichgefäßes des inneren Kühlkreislaufs verschwunden ist, die Seewasserpumpe wie verrückt leckt und später dann auch noch, dass das Motoröl voller Wasser ist.
 
Trotz der Hilfen der überaus freundlichen Schleusenmeister können wir am Freitag Abend und Samstag niemanden erreichen und richten uns so gut es geht an der Schleuse ein. Mit Hilfe des Beiboots verlegen wir durch die Schleuse wieder in den Kanal an die Innenseite der Schleusenkaimauer.
 
Am Sonntag kommt schon um neun Uhr ein Mechaniker aus St.Gilles, Ms. Lange, der uns klar macht, dass der Zustand des Motors eine Weiterfahrt unmöglich macht und die Motorfirma eine Gewährleistungspflicht für ihre Motorarbeiten hat. Mit Michael, den wir mittlerweile erreicht haben, besprechen wir, dass wir zurück nach Le Grau du Roi zu unserem Liegeplatz bei Spano kommen können und dann hoffen wir, dass wir einen Schlepp bis Aigues Mortes finden. Da nichts mehr zu machen ist, fahren wir alle vier am Sonntag Abend die fünf  Kilometer bis St.Gilles mit dem Rad und erleben ein schönes Provinzstädtchen mit Abendessen am Kanal.
 
Obwohl wir es gar nicht mehr geglaubt haben, kommt am Montag Mittag, 14.8., ein Binnenschiff in die Schleuse auf der Fahrt nach Sete, der uns auf Anfrage des Schleusenmeisters und einem kleinen Danke schön von uns ganz sachte und still durch die Camarque zieht.
 
IMG_6493_2.jpg So sachte zieht die LATOUR nun auch nicht, denn nach zweieinhalb Stunden sind wir schon am Eingang der Vidourle, dass Flüsschen das direkt zu unserem Hafen führt. Mit Hilfe des Beiboots und seines 4-PS-Außenborders, später noch freundlich verstärkt durch ein mit einem schwachen Motor ausgerüstetem schweizerischem Motorboot, gelingt uns in über einer Stunde die Fahrt nach Le Graus Du- Roi und das Anlegen bei unserem bekannten Liegeplatz bei Chantier Naval SPANO.
 
Welch eine Aktion – aber erst einmal sind wir froh wieder hier zu sein und einen sicheren Liegeplatz zu haben. Auch die Obhut und die Hilfen von Michael tun gut.
 
In der Nacht kommt aber zu allem Überfluss dann auch noch ein Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen. Im Schiff stehen überall Schüsseln und Töpfe, denn Bulleyes und Fenster sind undicht.
 
Am Mittwoch ist auch der Motormechaniker aus dem Kurzurlaub zurück, der 15.August ist mit Maria Himmelfahrt hier in Südfrankreich ein großer Feiertag, und begutachtet den Motor. Er ist sich zwar keines Fehlers bewusst, aber durchaus bereit, einige Arbeiten (Arbeitsstunden) kostenlos auszuführen. Der Motor ist wohl wieder in Gang zu setzen, die Zylinderkopfdichtung (die ich schon vorher ersetzt haben wollte und deshalb besorgt hatte) neu einzusetzen, der Wärmetauscher zu kontrollieren oder auch zu ersetzen, und so weiter und so weiter.
 
Da alle helfen wollen, fällt es nicht gar so schwer die geplante Weiter-Zurückreise nach neuen Zielen für die nächste Zeit zu vergessen.
 
Andy, Christa und Stefan verleben derweil noch einen richtigen Strandtag, denn am Donnerstag, 17.8.2006, ist Andys und Stefans Urlaub zu Ende und sie fliegen von Montpellier zurück. Mit einem großen Fischessen im Cockpit gehen die schönen und doch aufregenden Tage mit Andy zu Ende.

Wir, Christa und Wolfgang, verleben  indessen noch richtig schöne Tage in Südfrankreich mit Strandurlaub + Cafe, Bummel, Markttagen und gemütlichen Arbeiten am Schiff. Durch einen Ausflug mit Kees nach Montpellier erleben wir auch noch etwas Kultur und wunderschönes südländisches Stadtflair.
 
Am Dienstag, 23.8.2006, fährt uns Kees am Nachmittag zum Flughafen und der Sommerurlaub ist damit zu Ende.
 
Als am Samstag, 14.10.ö2006, Andy und Markus, am Montag auch noch Christa, Stefan und Wolfgang zum Herbsturlaub ankommen, ist (natürlich?) die Motorreparatur noch nicht beendet. Obwohl der neue Wärmetauscher aus Holland schon vierzehn Tage da ist, ist der Motor noch offen und das Kurbelgehäuse gut einsehbar. Sicherlich heißt das aber auch, dass alles sehr gründlich bearbeitet wird. Bei nicht so tollem Wetter, die Woche bietet wirklich nur zwei Strandtage und viel Wind und Regen ab Mittwoch, zeigt sich einerseits, dass die Urlaubssaison im Süden Frankreich durchaus beendet ist, andererseits, dass Ruyghenhil wieder dicht ist und die überarbeiteten Fenster und Bulleyes mehrere Härtetest überstanden haben - auch ein gutes Gefühl. Nachdem wir am Sonntag das Beiboot auf den Steg gezogen haben, die Planen über den Aufbau gelegt haben und so das Schiff in den Winterschlaf geschickt haben, fahren wir mit dem Mietwagen noch einmal an den Strand und beobachten die Kite-Surfer in der Brandung und dann im Regen und Starkwind zum Flughafen.


In einem kurzen Herbsturlaub vom 20.10. – 23.10.2005 schauen Christa und Wolfgang nach dem Rechten. Obwohl das Wetter nicht vom Besten ist und nur wenige Strandbesuchsstunden zusammen kommen, können wir alles klären und Ruyghenhil auf die Werft SPANO verlegen, damit die notwendigen Arbeiten über den Winter erledigt werdern können. Nun liegt sie am kleinen Schwimmsteg vor der Helling, gut bewacht und behütet von unserem Bekannten Michael Sell, der auf seinem Schiff auf der Werft lebt und arbeitet. 


Sommerurlaub 2005

Jetzt war Ruyghenhil wieder knapp acht Wochen in Südfrankreich auf sich alleine gestellt. Als Wolfgang als Arbeitsvorhut am 14.8. ankommt, glaubt er auch, dass alles in Ordnung ist. Leider erzählen die Deutschen Sommerdauerlieger etwas anderes: Am 30.6. hat ein Fischerboot die Kontrolle über das Ruder verloren und ist durch die Strömung auf unseren Steg versetzt worden. Das Meiste hat unser Nebenlieger, eine belgische 9-m-Stahlsegelyacht, die Seahorse, abbekommen. Ihre Seereling ist total ramponiert, einige Beschläger abgerissen, der Rumpf etwas verbeult und weiteres mehr. Aber auch bei uns ist die Baumstütze kaputt, der Rettungsring eingerissen und einige Kratzer am frisch gestrichenen Rumpf. Leider fühlt die Versicherung des Fischerboots sich nicht mehr zuständig, da die Meldung zu spät gekommen wäre. Na Danke….

Auf Grund des schönen Wetters, mit langer Mittagssiesta, entroste und streiche ich das Deck, überarbeite die Luke am Eingang und erledige noch einige andere Arbeiten, Aber auch der Urlaub kommt nicht zu kurz.

 
Am Donnerstagabend 18.8.2005 kommen Christa, Stefan und sein Freund Sarmen mit dem Flugzeug in Montpellier an und der Sommerurlaub beginnt. Auf Grund des starken Südostwinds können wir aber nicht mit der Ruyghenhil auslaufen, denn die Wellen in der Hafeneinfahrt sind mindestens 11 Meter hoch und die Brandung am Strand ist wie am Atlantik. So verleben wir warme und schöne Tage am Strand und im Wasser, bummeln durch die Stadt und besuchen mit den Fahrrädern auch mal den großen Yachthafen Port Camarque. Stefan und Sarmen finden sogar eine Disco, allerdings öffnet sie erst um 0.30 Uhr die Türen. Na dann ist ja alles wie gewohnt (im Jazzkeller im heimischen Hofheim beginnt ja auch erst um diese Zeit das wirkliche Leben) und unsere Jugendlichen genießen den Sommerurlaub genauso wie die Älteren. Aufregende Momente bieten ganz kurze Beibootfahrten aus der Hafenausfahrt, gesichert mit Schwimmwesten und einer immer am Ösfass, um das überkommende Wasser wieder auszuschöpfen. Auch der Besuch der Stierkampfarena zu einer traditionellen Show über das Leben der Camarquaiser mit Reitvorführungen, kurzem französischem Stierkampf und Rodeo hat viel Spaß gemacht. Das Meeresaquarium besuchten wir am späten Abend und hatten unseren Spaß daran, die großen Haie, Rochen und andere exotischen Fische und Getier hinter den Scheiben  über und neben uns entlang gleiten zu sehen.

Unsere erste Ausfahrt aufs Meer beschert uns am Donnerstag 25.8. auffrischende 4-5 Windstärken aus Südost, die für uns Langzeit-Binnenfahrern ganz schön starke Wellen bringen. Dennoch segelt uns Ruyghenhil unter Fock und Groß bei 4 bis 5.3 Knoten gemütlich an der Küste entlang bis kurz vor Carnon und wieder zurück zu unserer Hafeneinfahrt. Richtige Ausfahrten ermöglicht uns dann das Wetter, nachdem Markus und seine Freundin Andy am Sonntag 28.8. angekommen sind. Bei herrlichstem Wetter, Sonne und Hitze und wenig Wind bis Flaute erobern wir in den nächsten Tagen das Mittelmeer und genießen es, um das Boot herum zu schwimmen, mit dem Beiboot auf Foto-shooting zu gehen oder einfach auf Deck zu faulenzen.

Viel zu schnell vergehen die gemeinsamen Tage und am Mittwoch 31.8. bringt uns Markus zum Flughafen. Er und Andy bleiben noch an Bord.

Nach sechs Tagen Sommerurlaub nähert sich am Montag 5.September 2005 ein Unwetter. Und tatsächlich regnet es am Dienstag ununterbrochen und der Kanal läuft über die Ufer und überschwemmt teilweise Le Grau Du Roi. Auch Ruyghenhil ist dem Sturm und dem Regen nicht ganz gewachsen und es gibt einige nasse Stellen im Schiff. Sonst hat sie sich aber tapfer gehalten und nach einigen Stunden Sonne ist alles wieder in bester Ordnung.

Aber am Donnerstag geht`s gleich weiter. Obwohl vom Wetterdienst und dem mittlerweile eingesetzten Katastrophenschutz nicht als so gefährlich eingeschätzt, entwickelt sich Sturm und eine Regenfront, die die Städte Nimes und Montpellier absaufen lässt. Mittlerweile wird auch von der Wasserschutzpolizei der Ankerplatz im See des Flüsschen Vidourle geräumt, da dieser die Entwässerung der Petit Camarque ist. Und in der Nacht bestätigt sich die Maßnahme. Die Vidourle, die direkt an unserem Liegeplatz in den Kanal mündet, schwillt an, sorgt für eine Strömung  von mindestens 12 Kilometern und transportiert Bäume, Betten, zerschlagene Bootsrümpfe, ganze Schilffelder, Türen und was sonst noch am Ufer lagerte. Leider nicht ohne an den Booten am Steg anzuecken und so stehen Markus und andere Bootseigner in den Nächten von Donnerstag und Freitag (9./10. September 2005) wie Flößer am Bug der Schiffe und stoßen die Bäume ab oder befreien die Boote. Welch ein Glück, dass Markus und Andy an Bord sind!

 
Am Samstag 10.9.05 hat sich die Lage etwas beruhigt, obwohl die Strömung immer noch stark ist und das Wasser braun und dreckig zum Meer gurgelt. Markus und Andy müssen auch Urlaubsschluss machen, da Markus am Sonntag Redaktionsdienst hat.

 
 
 
 
 
Nach einem Urlaub von Familie Manneschmidt an Bord (mit vielen nächtlichen Störungen während des Dorffestes durch Jugendliche direkt an unserem Quai de Colobert) kommen am Freitag 23.9. bis 25.9.2005 vier Lehrerinnen und Wolfgang zu einem kurzen Ausflug an Bord. Zwar ist das Wetter morgens immer neblig bis diesig, aber dann kommt schnell der Sonnenschein durch. So können wir am Samstag den ganzen Mittag und Nachmittag auf dem Mittelmmer segeln und in der kurzen Flaute auch schwimmen. Am Sonntag geht’s dann mit dem Boot nach Aigues Mortes. Dort ist Hafenfest und die mittelalterliche Stadt begeistert mal wieder. Überraschend viele alte Schiffe, auch Plattbodens, erfreuen sogar Wolfgangs Herz. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen werden wir vom alten Kutter aus Grau du Roi und traditionellen Fischerbooten begleitet, die sich zu einem Bootscorso formieren. Gleichzeitig ertönt die Musik aus Nabucco und unendlich viele Schiffshörner. Wir sind begeistert und hupen und winken fröhlich und stolz zurück. Wirklich ein wunderschöner Abschluss dieses kurzen Wochenendausflugs!


Vom 15.7. bis 22.6.2005 kommt Wolfgangs Schulklassen-Abschlussfahrt nach La Grau Du Roi. Übernachtet wird im Bungalowpark Le Petit Camarquais. Im Pool, am Sandstrand, im Meeresaquarium, auf dem Rücken der Pferde, beim Stadtbummel, beim Boots-ausflug nach Aigues Mortes und kurzem Ausflug aufs Meer und vielen Beiboottouren haben alle sehr viel Spaß.    


Während der Arbeiten auf der Werft stellt sich heraus, dass der Mastfuß des Besanmasts total verrottet ist und einschließlich aller Verstrebungen am Schott erneuert werden muss. Da dazu das Deck aufgetrennt werden muss, sollen die Arbeiten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Auch dem Motor sollte eine gründliche Inspektion gegönnt werden, denn anscheinend ist die Zylinderkopfdichtung leicht undicht.


Am verlängerten Fronleichnamswochende, 26. bis 29.Mai, fangen Christa, Stefan und Wolfgang schon mal mit dem Urlaub an. Bei herrlichsten Sommerwetter verleben wir herrliche Tage auf dem Boot, am Strand und im Städtchen. Dann erledigen wir noch diverse Reparaturarbeiten und befahren zum ersten Mal das Mittelmeer. Denn unser Beibootmotor, der zwei Jahre im Motorraum geschlummert hat, springt sofort an und bringt uns auf das blaue Meer. Und da nur zwei Windstärken sind, getrauen wir uns auch mit Ruyghenhil durch die Stadtdrehbrücke und durch den kurzen Kanal auf die Bucht von Aigues Mortes. Dort sieht es am Wochenende aus wie auf dem Veerse Meer, unserem Heimatrevier: Ankerlieger, Jollen, Scooter, Surfer und Tretboote machen das Meer zum Freizeitteich. Wir fahren nach Port Camarque, dem größten Hafen des Mittelmeers, tanken und betrachten die Welt der Schickeria und des großen Bootstourismus. Zurück im Hafen vereinbaren wir mit der Werft, dass das Schiff in der nächsten Woche geslipt und gestrichen werden soll. Dort lernen wir auch einen Deutschen mit Namen Michael kennen, der auf der Werft lebt und seinen schicken alten französischen Holz-Motorsegler vom Atlantik von Grund auf renoviert. Er wird die Arbeiten begleiten und uns sprachlich Hilfe leisten. So können wir am Sonntag Nachmittag beruhigt nach Hause fliegen 


 Am Himmelfahrtstag, 5.Mai 2005, kann Wolfgang nun wieder Ruyghenhil zu einem Segelschiff umbauen. Nach einer langen Zugfahrt, diesmal mit Nacht-Liegewagen (sehr interessante Erfahrung) und diversen Querverbindungen, komme ich bei herrlichstem Sonnenschein in La-Grau-Du Roi an und mache mich gleich an die Arbeit. So stehen am Freitag morgen  schon beide Masten, wenn auch mit kleinen Fehlern in der Takelage. Auch mit der Werft und für die Klassenfahrt arrangiere ich alles Notwendige. Neben her mache ich noch richtig Urlaub, sitze im Cafe am Kanal, besuche das Musikfestival auf der Mole des umtriebigen Städtchens und gehe am Abend schön essen. So bin ich sehr zufrieden und fliege am Samstagabend schnell und billig von Montpellier nach Hause. Ruyghenhil bleibt an Liegeplatz zurück, bereit für den Sommerurlaub.


Jetzt geht es schon am 3.4.2005 nach Port 2. Nach einer schönen Fahrt kommen aus unserem Familien-Skiurlaub in CH-Sörenberg Petra Oster (Christas Schwester) und Wolfgang in L´Ardois am Abend um 19 Uhr an und können noch die Planen entfernen. Am nächsten Morgen is es zwar kalt, aber wunderschönes Wetter. Zu der wärmenden Sonne passt es, dass an der Ruyghenhil alles bestens startet, der Motor rund läuft, das Trinkwassersystem dicht ist und das Wasser gut schmeckt, die Winden gut geschmiert sind und das Ruder leicht läuft.

So können wir zu Mittag am Montag, 4.4.2005, um 13.20 Uhr zur letzten Etappe ans Mittelmeer starten und kommen um 16.30 in Avignon an. Ein abendlicher Spaziergang und dann ein hervorragendes Abendessen in einem sehr schön gestalteten Lokal in der Nähe des Anlegequais schließen den ersten Fahr- und Urlaubstag ab.

 
Weil Avignon so herrlich lebendig ist, gehen wir am Dienstag zum Frühstück in ein Bistro und lernen dort die französischen Jugendlichen kennen, die fröhlich ihre erste Schulstunde lieber beim Cappucino als im Klassenraum verbringen. Die anschließende Fahrt zeigt uns noch einmal den schönen Blick auf den Papstpalast und die Brücke von Avignon bevor es wieder auf den großen Strom geht. Auch das Schloß von Tarasconne bietet eine beeindruckende Silhouette und zeigt deutlich die ruhmvolle Vergangenheit dieses Landstriches. Unser persönliches Abenteuer hatten wir allerdings in der Schleuse von Beaucaire, als die Beibootleine zum ersten Mal auf der gesamten Tour in den Propeller geriet. Doch die Zeit der Schleusung genügte, um den größten Teil der Leine heraus zu schneiden und so kommen wir ohne Probleme und pünktlich um 15.30 Uhr am Halte nautique in Arles an. Jetzt habe ich auch noch genügend Zeit das Auto abzuholen und nach La-Grau-du-Roi zu fahren. Dabei passiert leider das einzige richtige Mißgeschick unseres Osterurlaubs: Anscheinend wird mir am Bahnhof von Nimes  bei einem geschickten Anrempler das Handy geklaut! Kurz darauf ist die Welt aber wieder in Ordnung, denn: 1. kann Markus das Handy sofort sperren lassen und 2. (und das ist viel wichtiger) ist Christa nach zwölf Stunden Zugfahrt gut in Arles angekommen. So feiern wir zu dritt bei einem guten Abendessen nach Auswahl Petras unseren Südfrankreichausflug und besuchen auch noch zum Abschluss eine Kulturkneipe am Fluß.

 
Am Mittwoch 5.4.2005 kommt nach Nebel über dem Fluß schon wieder die Sonne heraus. Dennoch ist die Tour auf dem Wasser ganz schön kalt. Nach Fahrt über die Petit Rhone und den Kanal Rhone à Sete mit der Schleuse Saint Gilles ( hier auf dem Kanal am Dorf Gallician sehen wir auch das Floß Tauzieher, das wir schon 2003 in Paris trafen) kommen wir am Nachmittag nach Aigues Mortes und finden dort auch einen guten Liegeplatz. Auf Grund unserer Anfrage für einen Sommerliegeplatz und der Zusage für La-Grau-du-Roi (die beiden Gemeinden gehören zusammen) ist unser Name bekannt und Liegekosten brauchen wir auch nicht zu bezahlen. Die alte Kreuzritterstadt in den Festungsmauern ist sehr imposant und ein wirkliches touristisches Ereignis. Auch wunderschöne Stoffe und Keramiken sind im Angebot, so dass kurz entschlossen die Vorhänge des Schiffs erneuert werden sollen und Mitbringsel für Zuhause erworben werden.

 
Schlechtes Wetter mit dicken Wolken begleiten uns am Donnerstag 6.4.2005 die letzten sechs Kilometer unser Tour von der Nordsee zum Mittelmeer. Neben dem Kanal von Aigues Mortes nach La-Grau-du-Roi sehen wir die ersten Flamingos der Camarque und unser Ziel ist bald erreicht. Auch unser Sommerliegeplatz direkt im Kanal an der Stadt und beim Fischerhafen und der Werft ist freigehalten. Der Hafenmeister freut sich, als wir die Formalitäten erledigen, der Bäcker ist direkt an unserem Quai de Colbert, alle Versorgungsmöglichkeiten in der Nähe und das Meer 500 Meter entfernt.

Wir haben es geschafft! Und alles ist bereit für einen schönen und erholsamen Sommerurlaub mit DEN RUYGHENHIL am Mittelmmeer.
 
Am Freitag räumen wir auf und machen uns mit dem Auto auf die Heimfahrt.


Kurzbesuch im Winter

Kurzbesuch am 3. und 4. Januar: alles in Ordnung. Es ist schön warm Bord durch den Ofen -trotz starkem Mistral in der Nacht. Am 5.April soll in Richtung Mittelmeer weiter gehen.


 

So ist auch am Dienstag Morgen 10.8.2004 an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Praktisch, denn dann kann erst einmal die Internetverbindung unseres Laptops repariert werden und in den Kojen der nächste Krimi angefangen wer-den. Da die Wettervorhersage mit 47% Regen-wahrscheinlichkeit auch über Tag tatsächlich eintritt, bleiben wir liegen und entspannen uns, durch kurzen Besuch im schönen Chalon-sur-Saone aufgelockert. 
Am Morgen des Mittwoch 11.8. herrscht dichter Nebel, aber die unermüdlichen Angler sind in ihren Ruderbooten auf dem Fluss und versuchen immer wieder die kleinen Fische mit den goldenen Schwänzen zu fangen. Als um 10 Uhr die Sonne durchbricht, fahren wir in den Jachthafen zum Tanken und sind um 11 Uhr startbereit. Es macht wirklich Spaß auf einem großen Fluss zu fahren; Ruyghenhil brummt fröhlich und stark und macht bei 1600 U/min zwichen 11 und 12 km/h. So sind wir auch schon um 18.30 Uhr in Macon, obwohl wir in Tournus eine Pause mit Eis und Abteibesichtigung und danach eine Badepause in der Saone eingelegt haben. Macon ist sehr lebendig und eine Pizzeria ist auch schnell gefunden, so dass die Küche im Schiff diemal geschlossen bleibt. Nachdem die letzten Nachrichten aus der Heimat per Internet und Laptop abgerufen sind, ist der erste Fahrtag nach den Kanälen zu Ende.

 

Schönes Wetter am Donnerstag. Nach dem Besuch der Boulangerie geht es kurz nach 9 Uhr wieder auf den Fluß. Schnell geht es voran, auch die Schleusentore der einzigen Schleuse stehen offen und so rauschen wir an den Städten des Beaujolais vorbei. Kurz vor zwölf sehen wir einen schönen Steg am Dörfchen Montmerle-sur–Saone, ideal zum Einkauf und zum Markt direkt am Kai. Doch von wegen: Schnell ziehen dicke schwarze Wolken heran und ein Gewitter mit stärksten Regenfällen und viel Wind setzt ein und hört nicht wieder auf. Erst um 16.30 Uhr können wir weiter und so machen wir am Steiger in Villefranche-sur-Saone schon nach vierzig Kilometern Schluß. 

Am Freitag 13.8. wollen wir nun wirklich nach Lyon kommen. Durch rechtzeitiges Ablegen, kurze Pause mit Marktbesuch in Neuville-sur-Saone und schneller Schleusung sind wir schon um 13 Uhr in Lyon. Dabei fahren wir immer wieder an schönen Restaurants vorbei, die festlich für ihre Besucher gedeckt haben, u.a. auch am Feinschmeckerlokal des großen Kochs Paul Bocuse. In Lyon können wir direkt bei der Altstadt anlegen. Die Stadt ist sehr hügelig und es stehen prächtige Bauten direkt an der Saone. Wir quälen uns bei großer Hitze zur Kathedrale den Berg hinauf und genießen den bekannt großartigen Blick auf Lyon und bis zu den Bergen der Alpen im Hintergrund. Lyon ist eine sehr lebendige Stadt, eine Großstadt eben, die aber auch den Touristen offensichtlich einiges zu bieten hat. Nach ausgiebiger Mittagspause legen wir ab und erreichen um 16 Uhr die Rhone. Doch gleich bei der ersten Schleuse gibt es eine Wartestunde und so erreichen wir trotz schneller Fahrt (drei bis vier Kilometer Schiebestrom) nur noch das Städtchen Givois, um am Abend im Fernsehen die Eröffnung der Olympischen Spiele mitzuerleben. 

Heute, Samstag 14.8., soll es mal richtig gutes Sommerwetter geben. Aber nach gutem Beginn am frühen Morgen begleiten uns kräftige Wolken nahezu die ganze Fahrt zu unserem Etappenziel Tournon.  Erst als am Nachmittag starker Wind aus Norden (Mistral?) aufkommt, werden alle Wolken weggeweht und strahlend blauer Himmel begleitet die Fahrt. Tournon ist eine wunderschöne alte Stadt direkt an Felsen mit den Gebirgszügen der Alpen im Hintergrund, mit vielen Eckchen und heute mit einem mitternächtlichen Markt der regionalen Erzeugnisse. Einfach Klasse. Die Rhone ist eine schöner Fluß, mit vielen Weinbergen und pittoresken Stadtpanoramen. So besuchten wir auch kurz Vienne, eine der größeren Städte an unserer Strecke, bevor wir die tiefen Schleuse des Flusses (bis 23 Meter Hubhöhe) bewältigen. 

An unserem Hochzeitstag, Sonntag 15.8., lassen wir uns etwas Zeit. Nach ausgiebigem Frühstück und kurzem Besuch des Boule-Wettbewerbs hier am Hafen, schauen wir uns noch einmal das bunte Treiben im Städtchen an. Hier ist richtige Urlaubsstimmung und schon, so wirkt es zumindest auf uns, südländischer Flair mit Kaffee und Pastis in der Bar, Espresso mit viel Gespräch im Cafè und einfach Fröhlichkeit. Fahrtechnisch ist die Rhone zwar ein großer Fluß mit Strömung, aber doch recht problemlos. Zwar ist auch heute wieder starker Nordwind, er behindert uns aber nicht und macht sicherlich nur den stromaufwärts fahrenden Schiffen einige Unannehmlichkeiten. In einigen Abschnitten sind Teilstücke kanalisiert um Stromschnellen zu umfahren und als Schleusenkanäle, andere Strecken wirken wie ein großer Stausee, so breit ist  dort der Fluß. Ausgerechnet , kurz vor unserem Ziel Viviers,  in einem besonders breiten Teil mit Inselchen und Felsen im Wasser, steht am Ufer bei Stromkilometer 148 ein riesiges Kernkraftwerk mit vier Kühltürmen. Viviers ist ein sehr, sehr altes Städtchen und erinnert etwas an St.Paul de Vence in der Provence.

 

So langsam müssen wir uns einen sicheren Liegeplatz suchen. Alle Leute, die sich auskennen und die Hochwasser der letzten Jahre erlebt haben, erklären, dass ein sicherer Platz an der mittleren und unteren Rhone nur in Valence oder bei Port 2 bei Stromkilometer 213,6 zu finden ist. Im letzten Jahr war die Rhone bis zu acht Meter über die Ufer und Dämme getreten und hat z.B. alle Steganlagen  und die Tankstelle in Avignon weggerissen, die erst jetzt ersetzt werden konnte. Nach telefonischer Klärung, dass wir in Port 2 (30 Flußkilometer oberhalb von Avignon) auch im Winter liegen könnten, legen wir nach einem Einkauf im mittelalterlichem Städtchen Viviers um fünfzehn Uhr am Montag ab. Zuerst begleiten uns noch schroffe Kreidefelsen, doch dann wird die Landschaft langweilig, da wir in langen Schleusenkanälen die gefährlichen ehemaligen Stromschnellen umfahren. Zum Glück läuft Ruyghenhil schnell und brav, so dass die weniger hübschen Passagen bald geschafft sind und wir bei starkem Süd- und damit Gegenwind offene Flußstrecken erreichen. Diese Teilstrecken sind wunderbar und unser Schiff stampft mit Spaß und spritzig durch die Wellen. Gegen zwanzig Uhr, mit telfonischer Anmeldung per Handy oder VHF-Kontakt bedingten schnellen Schleusendurchgängen, erreichen wir  den Hafen Port 2 bei Stromkilometer 213 im Nebenarm von L` Ardois. Die Gegend ist zwar nicht gerade anheimelnd und die Steganlagen wirken etwas zusammengeschustert, bei näherem Hinsehen erweist sich aber alles als sehr durchdacht aufgebaut und es liegen hier doch sehr teuere Boote. Außerdem überwintern hier einige Bootsleute auf ihren Schiffen und sie haben immer einen Blick für die anderen. Also können wir uns sicher fühlen und checken per Internet und Laptop (interessante Möglichkeiten tun sich damit auf) die Heimfahrtmöglichkeiten mit der Bahn. 
Da wir alles betreffs Dauerliegeplatz geklärt haben, beschließen wir, am Dienstag 17.8.2004 einen Ausflug per Boot nach Avignon zu starten, denn noch bleiben uns drei Tage Ferien auf dem Boot. Nach einer imposanten Felsenpassage kommen wir wieder am nächsten Kraftwerk vorbei. Aber schnell ist in einer großen Flußschleife auch wieder eine Burg und ein Chateau zu sehen, die Eindrücke wechseln ständig und sind recht vielfältig.

Gegen 12.30 Uhr erreicht uns per Handy die Nachricht, dass Christas Vater, unser lieber Opa,  gestorben ist. Wir sind tief betroffen und kehren sofort um und mit Höchstfahrt zurück nach Port 2. Leider können wir kein Leihauto bekommen, so dass wir das Schiff ordentlich fertig machen und erst gegen Abend mit dem TGV von  Avignon nach Paris und mit dem Nachtzug nach Hause fahren.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nach unserer überstürzten Abfahrt im Sommer, möchten wir in den Herbstferien ganz gemütlich die Provence kennen lernen. So fliegen wir billig, schnell und doch luxuriös mit dem Flugzeug von Ryanair nach Montpellier und mieten uns direkt am Flugplatz ein Auto. Und zehn Minuten später sind wir am Mittelmeerstrand bei La Grand Motte und genießen den warmen Herbst mit Strandurlaub.  Nach Besuch der Städtchen Le-Grau-de-Roi und Aigues-Mortes, die auch gute Liegeplätze bieten und herrlich südländisch wirken, fahren wir zur Den Ruyghenhil in ihrem Flusshafen PORT 2 in L`Ardois.

 
An Bord ist alles in Ordnung und nach einer kleinen Reparatur am Ofen wird es auch in der doch kühlen Nacht gemütlich warm in unserer Kajüte.

 
Am nächsten Morgen starten wir unsere Besichtigungstour mit einem ausgiebigen Bummel in Avignon. Und in den nächsten Tagen geht es weiter mit unserem touristischen Programm: Marseille mit seinem Alten Hafen und seinen Stränden, das Luberon mit den Okerfelsen und dazwischen immer wieder schöne Städtchen und Landschaften.

 
Aber auch Ruyghenhil wird gepflegt. Neben dem fälligen Ölwechsel bekommt sie neue Filter, die Pumpen und alle anderen beweglichen Teile am Motor werden kontrolliert, teilweise erneuert und der Motorraum gesäubert. Auch die Masten bekommen einen ersten Anstrich und die Wanten werden gelabsalt. Unter den Winterplanen sieht man die Arbeiten zwar nicht, aber als wir am 28.10.2004 unser Schiff verlassen,bei starkem Regen und Sturm, um per Flugzeug von Montpellier zurück zu fliegen, ist sie gut geschützt für die lange Winterpause im Süden von Frankreich.

 
Au revoir
 


An Ostern 2004 konnten wir unsere Ruyghenhil  nicht weiter Richtung Süden fahren. Durch die schwere Krankheit unseres „Opas“ (Papa und Schwiegervater Michael) und der damit verbundenen Pflege, bleibt keine gemeinsame Zeit, um Boot zu fahren.
 
An zwei Tagen in den Osterferien hat Wolfgang das Schiff dann startbereit gemacht und am Himmelfahrtstag, 20.5.2004 ist er zwar zu keiner Vatertagstour aufgebrochen, aber zu seinem Schiff gefahren. Da, außer zuviel Rost an Bord alles in Ordnung ist, hat ihn auch gleich die Abenteuerlust gepackt und so ist er zu einer Einhand-Kanaltour aufgebrochen.
Bei schönstem Wetter geht es schnell voran, die Schleusentore sind immer schon geöffnet, als kurz vor dem Etappenziel Maile le Ville direkt vor der Schleuse Nr. 69 etwas in die Schraube gerät und den Motor nahezu abwürgt. Beim Treiben im Kanal versuche ich vom Beiboot aus, an die Schraube heran zu kommen, erwische einige Stoffreste, bemerke aber auch um die Welle gewickelte Metallteile. Da muss ein Taucher ran. Der freundliche Schleusenmeister und sein Freund schleppen  Ruyghenhil mit ihrem Gelände-Mini-Buggy zur Schleuse. Per Treideln und Treiben finden Ruyghenhil und Wolfgang nach der Schleusung einen ruhigen Liegeplatz. Nachdem die deutsch-französische Freundschaft so gut geklappt hat, rufen die beiden Schleusenexperten, die nicht unerheblich nach Bier riechen (Vatertag auch in Frankreich?), Gott und die Welt an, um einen Taucher zu organisieren. Die Kanalverwaltung, zwei Charterfirmen und einen

 
 
 
 
 
Anrufbeantworter. Und sie haben Erfolg trotz Feiertag: Morgen soll um 9 Uhr jemand vorbei kommen, um sich den Schaden anzuschauern und vielleicht einen Taucher anzurufen. Da das Wetter so schön und der Liegeplatz so idyllisch und einsam ist, wird der Abend beim Lesen und Kochen und Essen noch richtig gemütlich.                                                            
 

Am Freitag 21.5.2004 ist das Wetter entgegen der Wettervorhersage weiterhin schön. Die Sonne setzt sich gegen den über das Wasser liegenden Nebel durch und lässt alle hoffnungsvoll  auf ein gutes Ende der kleinen Havarie hoffen. In der Nacht gab es übrigens ein starkes Gewitter mit wolkenbruchartigen Regenfällen. Um 9 Uhr ist dann leider nur ein neuer Schleusenmeister da, der überhaupt nichts weis. Als um 9.30 Uhr noch niemand aufgetaucht ist, rufe ich die Charterfirma in Vermenton an und frage nach der Adresse eines Tauchers. Ich bekomme auch sofort die Handynummer von SOS Auxerre und kann so ganz einfach und schnell die Reparatur telefonisch für 14 Uhr ausmachen. Während ich noch telefoniere, kommt der englische Hafenmeister und Organisator des Charterbetriebs aus Vermenton an, der glaubt eines seiner Boote sei havariert und dessen Büromitarbeiterin mir schon mit der Telefonnummer von SOS geholfen hatte. Fast gleichzeitig kommt ein Auto der Kanaldirektion an, um zu fragen, wie sie helfen könnten – echt starker Service. Da nun genug Zeit bis zum Mittag ist, schnappe ich mir ein Buch und lege mich auf die Wiese in den Schatten. Zwischendurch wird die Faulenzerei unterbrochen und der Kajütfußboden gelackt, die Holzbänke und Schwerter geölt und die Reling braun gestrichen. Punkt 14 Uhr ist der Servicemann aus Auxerre da und holt in 25 Minuten harter Arbeit im kalten Wasser einen Sonneschirm aus Schraube und Welle. So steht der Weiterfahrt nichts mehr im Wege und schnell wird eine Schleuse nach der anderen bewältigt. Eine kurze Einkaufspause in Maily le

Vile und schon um 18  Uhr ist am Steg der Felsen von Saussois Endstation. Nach einer kurzen Radtour nach Chatel Censoir zum Brotkauf und gleich noch ein Kaffee und ein Cassis in der Bar nebenan dazu, geht es auf ungefährlichen Wegen die Roches du Saussois hinauf. Wirklich ein tolles Arrangement aus Kanal, Flusslauf, Felsen, Sandstrand und Ortschaft.  

Am Samstag 22.05.2004 ist die Ruyghenhil pünktlich um 9 Uhr vor der ersten Schleuse, um vielleicht doch noch bis nach Clamecy zu kommen. Der Schleusen-meister hat jedoch keine Eile, häckelt noch das Gemüsebeet und schleust dann das Wasser abwärts um uns herein zu lassen. Nach diesem gemütlichen Beginn geht es aber rasant weiter. Die Schleusentore sind jetzt immer offen und jede Schleusung benötigt nur ca. 10 Minuten. In Chatel Censoir treffe ich auch zum ersten Mal wirklich viele Charterboote, so dass die kommenden Schleusen etwas voller werden. Schöne Flusspassagen, auch einige Reiher und viele Raubvögel, die über dem Wasser kreisen, sind hier heimisch, wechseln mit engen Kanalstücken ab und die Schleusen sind dank ihrer Schleusenmeister und –meisterinnen wahre Kunstwerke.     
Heute durchfahre ich zum ersten Mal in Frankreich auch eine Hebebrücke; aber nur mit Hilfe zweier zufällig vorbeikommender Mädchen, die meine Arbeit gekonnt übernehmen
Die Mittagspause verbringe ich sicher vertäut in einer Schleuse, es gibt in diesem Kanalabschnitt nämlich sehr wenige Anleger und noch weniger Versorgungsmöglichkeiten.
 
 
Kurz vor Clamecy treffe ich hinter der Schleuse eine Gruppe älterer Ruderer und Ruderinnen aus den Niederlanden, die mit ihren Booten den Kanal de Nivernais bereisen. Plötzlich winkt eine Dame
 
besonders aufgeregt und ruft: „WV Arne, WV Arne de Middelburg“. Sie kommt aus Middelburg und kennt Ruyghenhil aus unserer Heimat in Südholland. Nach einer schnellen Fahrt über eine wunderschöne Flussstrecke der Yonne lege ich kurz vor 16 Uhr in Clamecy im schönen Stadthafen direkt hinter der Schleuse an. Hier soll das Schiff die nächsten zwei Wochen liegen bleiben (bis wir wieder ein Stück weiter fahren können) und der Schleusenmeister verspricht ein Auge auf Ruyghenhil zu haben.
 
Mit dem Zug fahre ich zurück nach Auxerre durch das wasserreiche Burgund mit vielen Flüsschen und Bächen und dann mit dem Auto nach Hofheim. Die `Einhand`- Reise ist zu Ende.
 

 
Am Mittwoch 9.Juni können wir zum Fronleichnams-Feiertag gemeinsam aufs Boot fahren. Den Ruyghenhil liegt zusammen mit vielen anderen Booten ganz friedlich im Stadthafen von Clamecy als wir um 22.20 Uhr ankommen. Am nächsten Morgen versorgen wir uns noch in dem schönen Städtchen, dass alle Einkaufsmöglichkeiten für die Schiffersfamilie direkt am Hafen bietet: Bäckerei, Lebensmittel, Sanitärfachhandel und ein Geschäft mit Babywolle. So decken wir uns mit dem Wichtigsten ein, die kommende Kanalstrecke soll ja nur ganz wenige Einkaufsmöglichkeiten bieten, legen bei herrlichsten Sonnenschein gegen 11 Uhr ab und bewältigen vor der Mittagspause noch zwei Schleusen. Auch am Nachmittag kommen wir gut voran, doch in einigen Passagen ist der Kanal recht flach und wir haben einige Male Grundberührung. Auch unser Übernachtungsplatz `Halt nautique` bei Dirol ist sehr flach und wir sitzen am Rand auf. Rundherum ist der Platz nicht gerade attraktiv, direkt neben uns ist ein Holzlagerplatz und das Holz wird mit Wassersprengern gewässert. Eigentlich ist dies gar nicht nötig, denn das angekündigte Gewitter kommt mit einem fetten Schauer pünktlich zur Nacht. Unsere persönliche Katastrophe erleben wir aber vorher beim Abendessen, als der Cockpittisch zusammenkracht, da die Leinen marode sind. Und siehe da: Der `Halt nautique´ hat doch seine guten Seiten. Es gibt einen Wasseranschluss und mit Hilfe unserer langen Schlauchleitungen können wir das Boot gründlich säubern.
 

Am Freitag 11. Juni beginnt der Morgen mit Nieselregen und das Boot liegt fett im Matsch. Über Nacht ist das Wasser um 20 bis 50 cm abgesenkt worden. Glücklicherweise kommen wir mit Muskelkraft los und mit geringster Fahrt aus dem flachen Kanalstück. Profihaft werden die Klappbrücken bewältigt und auch in den Schleusen ist unsere, d. h. in den meisten Fällen Stefans, Mithilfe sehr geschätzt. Diese Hilfe ist auch dringend nötig, denn nicht selten kommen wir durch das wild einlaufende Wasser in den Schleusen ganz schön in Bewegung.

Zur Mittagszeit kommen wir in Chitriy les Mines an, wo der Engländer Ted Johnson einen schönen Hafen und Motorservice betreibt. Im kleinen Bistro gibt es Mittagessen im Freien und für Pommes, Steak und Salat sind wir immer zu haben. Auch die mit uns fahrenden Engländer nützen den Rastplatz und unterhalten sich in lupenreinem Englisch. Und das hört sich immer herzerfrischend an. Gerade so, als würde Miss Marple alias Margaret Rutherford wieder einmal in einen Kriminalfall eingreifen und mit Nachdruck die Untersuchungen führen.

Nach den lunch geht es weiter Richtung Sardy, wo wir vor der Schleusentreppe Halt machen. Hier lernen wir richtig das französische Hinterland kennen. Die in der Karte mit allen Serviceeinrichtungen angegebene Chartergesellschaft ist in einem verlassenen Schleusenhäuschen untergebracht und geschlossen, ein Lebensmittelgeschäft, angeschlossen an eine Bar in Sardy, ist einschließlich dieser schon seit längere Zeit eingegangen, und weitere Einkaufsmöglichkeiten gibt es nicht. Von wegen: Burgund - Land der Genießer. Der Liegeplatz aber ist sehr schön in einer Kanalausbuchtung und das Wasser so einladend sauber, dass wir sogar noch eine Runde schwimmen gehen, bestaunt von den berühmten Charolais-Rindern, die uns lieb und dümmlich zuschauen.
 
Am nächsten Morgen, Samstag 12.6, sind wir mal wieder gerade zu spät und unsere Engländer legen zwei Minuten vor uns ab, so dass wir vor der Schleusentreppe eine Stunde warten müssen, bis uns der nette jugendliche Schleusenmeister die nächsten Schleusen begleitet. Und dann geht es

schnell die Schleusentreppe hoch. Vorbei an künstlerisc

h gestalteten
Schleusenhäusern und –anlagen mit Schleusenwärtern, die wirkliche Typen sind. Der Weg zum Gipfel des Berges und der Wasserscheide zwischen Nordsee und Atlantik wird immer schöner und grüner und das Tal immer enger. Er mündet im ersten von drei Tunnel und Zwischenstücken, die einem kleinen Bach gleichen, der von hohen Felswänden mit kleinen Wasserfällen eingefasst wird. Eine unglaubliche und bizarre Situation, mit einem großen Boot hier herum zu fahren.
 

Nach dem Tunnel kommen wir am Etang de Baye an, einem künstlichen See, der den Kanal speist und ein Angler-, Jollensegler- und Surfzentrum ist. Dabei wirkt die Landschaft wie in Holland. Das Wasser ist weit, die Luft rau und der Himmel weit. (Aber einkaufen kann man hier auch nicht und von einer netten Kneipe kann schon gar nicht die Rede sein.)
 
Da wir hier unsere DEN RUYGHENHIL bis zu den Sommerferien liegen lassen wollen, bleiben wir nicht am öffentlichen Liegeplatz am Damm zwischen Kanal und See, sondern finden einen schönen Platz bei der Chartergesellschaft Aqua Fluvial mit sehr netten Mitarbeitern. Der ereignisreiche Tag wird mit einem Glas Rotwein aus den Vorräten und dem Eröffnungsspiel der Fußball-EM 2004 abgeschlossen.
Am Sonntag 13.6.2004 fahren wir mit dem Taxi nach Clamecy zurück, und sehen doch tatsächlich zwei belebte Städtchen in unserem ach so stillen Burgund, und holen unser Auto ab. Damit ist wieder eine Etappe der Tour mit dem Plattboden durch Frankreich beendet.
 

Bis bald

 
 
Und jetzt, am Dienstag 3.8.2004 geht die Fahrt durch Frankreich weiter. Leider erst mal, auf Grund der Krankheit unseres Opas, nur als eine Ein-Mann-Tour. Nach einer Marathonfahrt von fünfzehn Stunden (begonnen am Montagabend um 20 Uhr in Hofheim am Taunus) mit Bahn, Bus, Schienenbus und Taxi in Baye an. Das Wetter ist gar nicht südlich, mit Nieselregen und dicken schwarzen Wolken. Dafür ist es schwül warm und die Mücken surren um einen herum wie verrückt. Zum Glück ist an Bord alles in Ordnung und nach einem gründlichen Check, tanken und Wasser auffüllen, bedanke ich mich bei der netten Basisleitung und ab geht’s. Leider hat der Kanal hier landschaftlich wenig Schönes zu bieten, außer einigen (echten) Schleusentreppen, die einen enormen Höhenunterschied bewältigen. Auch das Wetter macht die Stimmung, die bedrückend über der Landschaft liegt, nicht besser, denn grauer Himmel und Nieselregen von Zeit zu Zeit heitern nicht gerade auf. Doch kurz vor dem Ende der Tagestour und dem Ziel Chatillon-en-Bazois kommt die Sonne heraus, die Landschaft wird lieblicher, eine Schleuse ist voller Blumenschmuck, wir überqueren per Kanalbrücke einen wildromantischen Bach und in Chatillon finde ich einen Liegplatz direkt am Schlosspark und in der Nähe aller Geschäfte. Dann kommt auch noch ein altes englisches Ehepaar und äußert sich begeistert über unser „sailing vessel“. Beim anschließenden Abendspaziergang treffe ich drei Kinder, die mit Köcher mehrer kleine Welse aus dem Kanal gezogen haben.. Es gibt hier eine Unmenge Fische, deshalb sicherlich auch die vielen Angler. Das war ein schöner erster Tag der Sommertour.

 

        

Am Mittwoch 4.8. geht es mit schönem Wetter gleich um 9Uhr los. Die Landschaft wird wieder langweiliger, nur meine Freunde, die Rinder, sind zahllos vertreten. Sie liegen zumeinst erschlafft im Schatten, um sich vom anstrengenden Wiederkäuen zu erholen. Sonst ist aber auch niemand unterwegs. Bis zum Mittag treffe ich überhaupt kein Boot und habe den Kanal und die Schleusen für mich allein. Erst am Nachmittag, als die Gegend schöner wird, überall Anleger mit Rastplätzen eingerichtet sind, zwei Schleusenhäuser sich als Feinschmeckerlokale entpuppen und überall Hinweisschilder zu Cafe`s und Bars am Kanal stehen, kommen mir auch ab und zu Charterboote entgegen. Da die Wettervorhersage seit heute, und auch für die nächsten Tage, von Gewittern mit starken Regenfällen spricht, fängt es pünktlich um 16 Uhr mit Donner und Blitz an. Als auch noch der Regen kommt, muss ich die Fahrt tatsächlich für eine halbe Stunde unterbrechen und bleibe in einer Schleuse liegen. Als Übernachtungsplatz habe ich mir das Städtchen Cercy-la-Tour ausgesucht. Als ich um Viertel vor sieben an einem schönen Steg (so wie wir sie auf unserer Hinfahrt im letzten Jahr in der Picardie kennen g